Ana, mon amour © Călin Peter Netzer/Berlinale
© Călin Peter Netzer/Berlinale | Bild: Călin Peter Netzer/Berlinale Download (mp3)

Berlinale 2017 - "Ana mon Amour"

Bewertung:

Călin Peter Netzer setzt Stück für Stück aus vielen Puzzlesteinen die Geschichte dier Beziehung von Ana und Toma zusammen - und zieht den Zuschauer mit in den Strudel der Gefühle.

Netzer wurde vor vier Jahren auf der Berlinale bereits für seinen Film "A Child’s Pose (Mutter und Sohn)" mit dem goldenen Bären ausgezeichnet, eine dramatische Geschichte um eine Mutter, die alles daran setzt, die Haut ihres Sohnes zu retten, der einen tödlichen Autounfall verursacht hat. Nicht ganz so existenziell und doch sehr leidenschaftlich geht es nun auch in seinem neuen Film "Ana mon Amour" zu, in dem ähnlich wie im amerikanischen Liebesfilm "Blue Valentine" eine stürmische Beziehung von ihrem Ende aus erzählt wird.

Ana, mon amour © Călin Peter Netzer/Berlinale
© Călin Peter Netzer/Berlinale

Werden und Vergehen einer Liebe

Eine junge Frau und ein junger Mann unterhalten sich im Studentenzimmer über Nietzsche und seine Schwester, die aus dem Nachbarzimmer dringenden Sexgeräusche machen sie spürbar verlegen, sie versuchen, die Peinlichkeit der Situation zu überspielen, bis die Titelheldin Ana aus Nervosität ihr Saftglas umstürzt und danach richtig hyperventiliert, er reagiert sehr vorsichtig und zärtlich, dann gibt es den ersten von zahllosen Zeitsprüngen, in der nächsten Szene sind die beiden schon ein vertrautes Paar, wieder ein Schnitt und sie besuchen ihre Eltern, dann seine, es kommt zu harschen Konfrontationen.

So setzt sich Stück für Stück aus vielen Puzzlesteinen die Geschichte dieser Beziehung zusammen, vom Kennenlernen, über die Sorgen um ihre labile Psyche, die erste Schwangerschaft, das Kind, Sitzungen beim Therapeuten, irgendwann wird beiläufig erwähnt, dass sie inzwischen geschieden sind. Es geht ums Werden und Vergehen einer Liebe, erzählt aus der Perspektive des Mannes, der im Nachhinein überlegt wie alles so kommen konnte.

Im Strudel der Geühle

Trotz seines analytischen  Ansatzes wird man als Zuschauer ganz unmittelbar in den Strudel der Gefühle gezogen, das wirbelt wild durcheinander, so wie man das im Nachhinein nochmal durchlebt, in Erinnerungen, Träumen, Analysen, die auch vom Therapeuten angestoßen werden. Das war ein unerwartet starker und emotionaler, kluger Abschluss für einen Wettbewerb, in dem die ganz großen Ausschläge leider fehlten. Auch die Hauptdarstellerin Diana Cavallioti wäre mit ihrer zwischen hinreißendem Charme und himmelschreiender Zerbrechlichkeit oszillierenden Darstellung  eine würdige Bärenkandidatin.

Anke Sterneborg, kulturradio

Mehr Berlinale

Berlinale | 09. - 19.02.2017 - 67. Internationale Filmfestspiele Berlin

Um Mut und Versöhnlichkeit geht es bei den 67. Internationalen Filmfestspielen Berlin. Im Wettbewerbsprogramm konkurrieren 18 Filme um den Goldenen und Silbernen Bären, die am 18. Februar 2017 im Berlinale-Palast überreicht werden.

Vom 9. bis zum 19. Februar berichten wir in unserem Programm täglich über die Berlinale.

Weitere Rezensionen

"Logan Lucky", © Fingerprint Releasing
STUDIOCANAL

Gaunerkomödie - Logan Lucky

Mit der Gaunerkomödie "Ocean’s Eleven" landete der amerikanische Independent-Regisseur Steven Soderbergh 2001 seinen größten kommerziellen Erfolg. Drei "Ocean"-Filme gibt es mittlerweile, 26 Filme hat Soderbergh bisher insgesamt gedreht. Nun sein neues Werk: "Logan Lucky".

Bewertung:
"Einmal bitte alles"
filmschaft maas & füllmich GmbH

Komödie - "Einmal bitte alles"

Mit "Einmal bitte alles" präsentiert die Filmemacherin Helena Hufnagel ihren ersten Spielfilm. Darin geht es um die Mittzwanzigerin Isi, die die Uni gerade hinter sich gelassen hat, aber mit dem Leben einer Erwachsenen noch nicht allzu viel anfangen kann. Denn Isi hat noch Träume und die kollidieren mit dem, was ihr Umfeld so lebt.

Bewertung:
"Paris kann warten"
Tobis Film

Spielfilm - "Paris kann warten"

Ein amerikanischer Blick auf Frankreich: schön anzusehen, aber doch ohne Herzenswärme inszeniert. Und dennoch lohnt er sich, weil so viel Frankreich im Bild ist, dass man Lust bekommt auf das Land, die Landschaft und das Essen.

Bewertung: