Beuys; Foto: Ute Klophaus © zeroonefilm/ bpk_ErnstvonSiemensKunststiftung_StiftungMuseumSchlossMoyland
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Berlinale 2017 - "Beuys"

Bewertung:

200 Stunden Filmmaterial und 150 Stunden Tonaufnahmen hat Andres Veiel gesichtet und zu einer lebendigen Collage montiert, in der man Beuys sehr nah kommt.

In seiner Dokumentation über den berühmten deutschen Künstler Josef Beuys, der 1985 gestorben ist, sind Familie und Privatleben nahezu völlig ausgeklammert. Über Frau und Tochter erfährt man gar nichts, stattdessen konzentriert sich der Film stark auf das Werk und vor allem den Kunstbegriff von Beuys. Ganz bewusst stellt Veiel nicht die sterilen Inszenierungen in Ausstellungsräumen in den Vordergrund, sondern die lebendige Kunst in Aktionen und Performances, bei Podiumsdiskussionen, in Auftritten im Fernsehen oder an der Kunsthochschule.

Beuys; Foto: ErichPuls/KlausLamberty © zeroonefilm/ StiftungMusemSchloss Moyland
Foto: ErichPuls/KlausLamberty © zeroonefilm/ StiftungMusemSchloss Moyland

Lebendige Collage

Anders als in früheren Dokumentationen "Black Box BRD" über die Hinterbliebenen des RAF Terroristen Wolfgang Grams und die Witwe des ermordeten Bankmanagers Alfred Herrhausen und "Die Spielwütigen" über mehrere Schauspielschüler arbeitet der Regisseur hier fast ausschließlich mit Archivmaterial. 200 Stunden Filmmaterial und 150 Stunden Tonaufnahmen hat er gesichtet, und Töne, Bilder, und Filmausschnitte zu einer lebendigen Collage montiert, in der man Beuys einerseits sehr nah kommt, er andererseits durch die verwaschene Qualität der Videobilder auch geisterhaft entrückt wirkt. Viele Stunden Interviews die Veiel mit Kunstkritikern und Gefährten geführt hat, sind nur sehr sparsam eingestreut, um stattdessen vor allem den erstaunlich humorvollen Künstler selbst sprechen zu lassen: "Wer will schon einen Revolution bei der es nichts zu lachen gibt", sagt er einmal.

Langzeitwirkung

Mit seinem ausgesprochen politisch motivierten Kunstbegriff passt der charismatische Agent Provokateur Beuys perfekt ins filmische Werk von Andres Veiel und setzt auf der Berlinale erneut ein starkes Zeichen für die Verantwortung und Bedeutung der Kunst in politisch schwierigen Zeiten. Auch wenn "Beuys" seine Wirkung nicht mit derselben Wucht entfaltet wie einst "Black Box BRD" wirkt er noch lange und anregend nach

Anke Sterneborg, kulturradio

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