Billy Lynn; © 2016 Sony Pictures Releasing GmbH
Bild: © 2016 Sony Pictures Releasing GmbH

Drama - "Die irre Heldentour des Billy Lynn"

Bewertung:

Kritisch und offensiv rechnet Lee mit dem vermeintlichen Heldenmythos ab.

Billy ist ein noch sehr junger, 19 Jahre alter Soldat aus Texas, der sich bei seinem ersten Einsatz im Irak inmitten eines brutalen Feuergefechts wiederfindet, bei dem er – heldenhaft oder einfach nur spontan – einen Verletzten zu retten versucht. Diese Aktion wird von einem anderen Soldaten mit dem Handy gefilmt, an die Medien weitergegeben und ab da ist Billy und mit ihm seine ganze Einheit ein Star. Und Stars sind dazu da, gefeiert zu werden. Die Jungs werden also auf Promotion-Tour in die Heimat geschickt.

Vermarktungsmaschinerie ohne Entkommen

Jung und unbedarft, traumatisiert durch die Schrecken des Krieges, gerät Billy in eine Vermarktungsmaschinerie, aus der es kein Entkommen zu geben scheint. Eine psychologische Betreuung oder allein Zeit für die Verarbeitung des Erlebten gibt es nicht. Stattdessen werden die Jungen bei einem Riesenevent gefeiert, ihre Gesichter riesengroß auf die große Leinwand in einem Footballstadion übertragen. Feuerwerkskörper schießen direkt neben ihnen in die Höhe und lassen jeden einzelnen immer wieder zusammenzucken. Ein gieriger Manager – Steve Martin – wittert in den Erlebnissen dieses jungen Trupps den ganz großen Stoff, und will sich gleich die Filmrechte sichern. Denn seine Geschichte, das sagt er zu Billy, der langsam begreift, dass das nicht das Richtige sein kann, gehöre ihm schon lange nicht mehr.

Billy Lynn; © 2016 Sony Pictures Releasing GmbH
"Billy Lynn"; © 2016 Sony Pictures Releasing GmbH

Schlachtfeld amerikanischer Unterhaltungsindustrie

Kritisch und offensiv rechnet Lee mit dem vermeintlichen Heldenmythos ab – wie die jungen Soldaten instrumentalisiert werden, vom Schlachtfeld Irak auf das Schlachtfeld der amerikanischer Unterhaltungsindustrie geschickt werden.

Billy Lynn wird verkörpert von einem Newcomer: dem Briten Joe Alwyn. Ein im besten Sinne unbeschriebenes Blatt, dem man seine Emotionen in jedem Moment abnimmt. Christ Tucker, Garret Hedlund als sein Trupp, Steve Martin als skrupelloser Vermarkter und Kristin Stewart als Billys Schwester – eine überzeugende Besetzung.

Anders als Mel Gibsons gefeiertes und mit sechs Oscar-Nominierungen ausgezeichnetes Drama "Hacksaw Ridge" erliegt Ang Lee nicht der Faszination des Krieges. Während Gibson am Heldenmythos strickt, hinterfragt Ang Lee ihn. Für eine Oscar-Nominierung hat es leider nicht gereicht. Was in gewisser Weise für "Billy Lynn" spricht.

Christine Deggau, kulturradio

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