Berlinale 2017 - "Have a Nice Day"

Bewertung:

Liu Jians Animationsfilm "Hao Ji Le" – zu Deutsch: "Einen schönen Tag noch" - ist eine schwarzhumorige Kriminal-Komödie.

Eine Geldtasche, prall gefüllt mit einer Million Yuan. Eine echte Versuchung in einem Land, in dem man mittlerweile (fast) alles kaufen kann. Ursprünglich gehört das Geld einem mafiösen Bau- Unternehmer, doch im Verlauf des Films wechselt die Tasche immer wieder ihren Besitzer. Der geldgierige Betreiber eines Internet-Cafes, ein in die Jahre gekommener Auftragskiller, und ein junger Mann, der seiner Freundin unbedingt eine Schönheits-Operation bezahlen möchte – sie alle wollen das Geld haben: Doch auch der ursprüngliche Besitzer und seine Leute mischen weiter mit - und so kommt es zu turbulenten Verwicklungen und abenteuerlichen Verfolgungsjagden.

Szene aus "Hao Ji Le","Einen schönen Tag noch", Berlinale Wettbewerb 2017 (Quelle: Berlinale)
Bild: Berlinale

Schwarzhumorig

Liu Jians Animationsfilm "Hao Ji Le" – zu Deutsch: "Einen schönen Tag noch" - ist eine schwarzhumorige Kriminal-Komödie. Quasi nebenbei erzählt Liu Jian aber auch eine Menge über das China von heute – über den Alltag in einer Kleinstadt in Südchina, über die tiefe Verunsicherung ihrer Bewohner und über eine Gesellschaft, in der die Verlockungen des Kapitalismus zwar überall zu sehen sind – aber nur die Wenigsten sie sich auch leisten können.

Liebe zum Detail

Dabei ist "Hao Ji Le" kein hochgezüchtetes Animations- Spektakel a la Dreamworks oder Pixar, sondern weitestgehend handgemacht – wie ein guter alter Comic Strip, der mit viel Liebe zum Detail Seite für Seite aufgeblättert wird. Liu Jian, der neben der Regie auch für das Drehbuch und die Animation verantwortlich zeichnet, kommt ursprünglich von der Malerei – und das merkt man seinem Film an. An den Stadtlandschaften kann man sich gar nicht satt sehen, auch die vielen kleinen politischen und popkulturellen Referenzen sind herrlich, die er überall eingebaut hat: "Bohnenstange", sein Auftragskiller, hat nicht nur ein Rocky- Plakat an der Wand, er trägt auch seinen Hut genauso wie Sylvester Stallone. Am Himmel über der Stadt geht eine Rakete steil. Währenddessen hört der Mafia – Boss im Autoradio eine Rede von Donald Trump und grinst dazu diabolisch.

Gerade mal 74 Minuten dauert dieser Film – aber 74 Minuten, in denen es eine Menge zu sehen gibt. "Hao Ji Le" ist eine echte Entdeckung – eine der wenigen auf dieser 67. Berlinale.

Carsten Beyer, kulturradio

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