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Berlinale 2017 - "Joaquim "

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Mit "Joaquim" ist der brasilianische Drehbuchautor und Regisseur Marcelo Gomes erstmals im Wettbewerb der Berlinale vertreten.

Es geht um den brasilianischen Nationalhelden Joaquim José da Silva Xavier, alias Tiradentes (Zahnzieher), ein brasilianischer Freiheitskämpfer, der sich im 18. Jahrhundert gegen die ausbeuterische, portugiesische Kolonialmacht und die Sklaverei aufgelehnt hat. Zum Märtyrer und Nationalhelden wurde er, nachdem er wegen Hochverrats zum Tode verurteilt, geköpft, gevierteilt und als blutige Warnung auf den Straßen von Rio verteilt wurde.

Erinnnerung an Klassiker

Der Film ist nicht als klassisches Biopic erzählt, das ein Leben rekapituliert. Gomes beschränkt sich auf einen enger gefassten Ausschnitt, auf die Zeit, in der er als Fähnrich der portugiesischen Armee zunehmend für die Ungerechtigkeiten sensibilisiert und aus Wut zum Revolutionär wird.

Im Film ist Joaquim eine imposante Erscheinung, aber auch ziemlich ungepflegt. Unter all dem Dreck, langen zotteligen Haaren und wildem Bartwuchs ist sein Gesicht kaum zu erkennen. Joaquim hat eine Affäre mit einer schönen, stolzen Schwarzen, die sich von ihm erhofft, dass er sie von ihrem widerwärtigen Besitzer freikauft.

Um das nötige Geld zu beschaffen, lässt Joaquim sich auf eine Suche nach entlegenen Goldadern ein. Damit setzt ein Goldgräberabenteuer ein, das an Klassiker wie "Der Schatz der Sierra Madre" erinnert, in dem ein Haufen Leute mit unterschiedlichen Motivationen in der unwirtlich rauen Landschaft alle möglichen Strapazen erleiden.

© REC Produtores & Ukbar Filmes

Ein bisschen beliebig

Der Aufstand der Unterdrückten ist ein universelles Thema, das gerade in schwierigen Zeiten immer Resonanz hat. Einiges Gelächter hat allerdings eine Szene provoziert, in der Joaquim mit seinem gerade erwachten Widerspruchsgeist Amerika als Sehnsuchtsort beschreibt, in dem es wahre Freiheit gebe, keiner Waffen brauche, alle gleich seien und nicht das Geld regiere. Das ist mit Blick auf Trumps Amerika ein Witz, aber auch damals angesichts der dort ebenfalls herrschenden Sklaverei nicht haltbar.

Auf packende Weise erweckt Gomes die Zeit und ihre rauen Sitten zum Leben, mit der Handkamera taucht er ganz direkt und ungeschönt in diese fast mittelalterlich anmutende Welt ein. Dennoch ist der Film immer wieder disparat und anstrengend, und bisweilen auch ein bisschen beliebig zusammengezimmert.

Anke Sterneborg, kulturradio

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