Neruda mit Luis Gnecco; © Piffl Medien
Bild: Piffl Medien

Drama - "Neruda"

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Der chilenische Schriftsteller Pablo Neruda war eine der prägenden Figuren der Geschichte Lateinamerikas im 20. Jahrhundert – sein Landsmann Pablo Larraín zeichnet ein ambivalentes Bild des großen Dichters.

Dabei hat sich Larraín gegen die Konventionen des klassischen Biopic entschieden, und stattdessen eine Art Detektiv-Story gedreht, angesiedelt im Jahr 1948. Pablo Neruda (Luis Gnecco) ist zwar noch gewählter Senator der kommunistischen Partei, ist aber bei der chilenischen Regierung in Ungnade gefallen, weil er Staatspräsident Videla (Alfredo Castro) kritisiert hat. Der möchte sich nun rächen.

Neruda soll gefangengenommen und gedemütigt werden – eine Aufgabe für Kommissar Peluchonneau (Gael García Bernal), einen ehrgeizigen Emporkömmling bei der chilenischen Polizei, der im Fall Neruda seine große Chance sieht. Dazu allerdings muss er Neruda erstmal kriegen – und das ist gar nicht so einfach, denn trotz aller Verleumdungen ist der Dichter beim Volk nach wie vor sehr beliebt.

Es beginnt eine Art Versteckspiel kreuz und quer durchs ganze Land, ein Versteckspiel, das Pablo Larraín die Gelegenheit gibt, ausführlich über die Rolle von Neruda zu philosophieren – als Politiker, als Schriftsteller und als Mensch.

Neruda mit Luis Gnecco; © Piffl Medien
Luis Gnecco; © Piffl Medien

Ein Salon-Kommunist

"Neruda" erinnert von seiner Machart ein wenig an "I'm not there", Todd Haynes wunderbare Dylan-Biografie aus dem Jahr 2007. Beide Filme brechen ganz bewusst mit den Regeln des biografischen Kinos. Und erzählen trotzdem – oder gerade deswegen – umso mehr über ihre Protagonisten.

Larraíns Neruda ist ein redegewaltiger, mutiger Mann, der durchaus bereit ist, für seine Überzeugungen ins Gefängnis zu gehen. Gleichzeitig ist er aber auch ein Salon-Kommunist, der feine Anzüge trägt, gerne gut isst und der es liebt, vom einfachen Volk für seine langen, schwülstigen Liebesgedichte gefeiert zu werden.

Neruda mit Gael García Bernal (Peluchonneau); © Piffl Medien
Gael García Bernal; © Piffl Medien

Ein Besessener

Gael García Bernals Peluchonneau dagegen ist der heimliche Star dieses Films – ein Charakter, der selbst aus einer Neruda-Erzählung stammen könnte. Ein Besessener, ein unermüdlicher Spürhund – ein Ritter von der traurigen Gestalt.

Die Figur des Peluchonneau – auf Spanisch: "Stofftierchen" –, das wird am Ende der gut 100 Minuten klar, ist genauso ein Repräsentant des chilenischen Volkes wie der gefeierte Nobelpreisträger Neruda.

Carsten Beyer, kulturradio

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