"Noma": Rene Redzepi testet gemeinsam mit seinem Gericht neue Gerichte; © Pierre Deschamps
Bild: © Pierre Deschamps

Dokumentation - "Noma – My Perfect Storm"

Bewertung:

Ein Film, der neugierig macht auf die nordischen Küchenexperimente aus Kopenhagen.

Sage und schreibe vier Mal wurde das Kopenhagener Restaurant "Noma" zum besten Restaurant der Welt gekürt. Derartiger Ruhm geht in der Regel mit monatelangen Wartezeiten auf einen Tisch einher, nun bietet ein Dokumentarfilm einen Blick hinter die Kulissen, den man wahrscheinlich nicht einmal als Gast bekommt: Der erste abendfüllende Film, bei dem der ehemalige Cutter Pierre Deschamps Regie geführt hat, heißt "Noma – My perfect Storm".

"Noma": Rippe vom Rind, © Pierre Deschamps
Rippe vom Rind, © Pierre Deschamps | Bild: © Pierre Deschamps

Nordische Küche

Das Alleinstellungsmerkmal des Noma ist die konsequente Entscheidung für die nordische Küche, entsprechend setzt sich der Name des Restaurants aus den dänischen Wörtern nordisk und mad, also "nordisches Essen" zusammen. Damit zettelte Küchenchef René Redzepi eine nordische Küchenrevolution hat, konsequent servierte er ausschließlich lokale und saisonale Zutaten, mit der Absicht dem Restaurantbesucher mit dem Essen auch ein Gefühl für den Ort und die Zeit zu vermitteln. Von Kollegen und Kritikern wurde er dafür belächelt, sein Restaurant nannten sie abfällig "Fischtranbude", "Zum Walpenis" oder auch "Robbenficker".

Der Franzose Pierre Dechamps, der vorher vor allem als Cutter gearbeitet und nur einige Kurzfilme gedreht hat, hat das Restaurant 2007 entdeckt, als er sich in Dänemark aufhielt und René Redzepi gerade 15 international renommierte Köche eingeladen hatte, um ihnen die nordischen Zutaten nahe zu bringen. Bereits damals drehte er eine einstündige Dokumentation, die anschließend der Anlass war die Triumphe und Niederlagen von Redzepi drei Jahre lang filmisch zu begleiten.

"Noma": Apfel auf Eis, © Pierre Deschamps
Apfel auf Eis, © Pierre Deschamps | Bild: © Pierre Deschamps

Kochen als Sprache

Dabei legt es "Noma –My perfect Storm" weniger darauf an, dem Zuschauer das Wasser im Mund zusammenlaufen zu lassen. Sicher man bekommt sinnliche Küchenarrangements mit Blumen und Gräsern, Seeigel, Moos, Tannenzweigen, Pilzen oder auch mal lebenden Ameisen oder fermentierten Stachelbeeren zu sehen, doch vor allem geht es Dechamps in Gesprächen mit Gastrokritikern und  Kollegen (darunter auch Molekular-Experimentator Ferran Adria, bei dem Redzepi einige Zeit gearbeitet hat,) aber auch Zulieferern wie Pilz- und Kräutersammlern das außergewöhnliche Küchenkonzept vorzustellen.

"Noma: Blumen, © Pierre Deschamps
Blumen, © Pierre Deschamps

Vor allem aber ist "Noma – My perfect Storm" ein Porträt des ausgesprochen sympathischen und im wahrsten Sinne des Wortes geerdeten "Noma"-Küchenchefs René Redzepi, der Kochen als Sprache versteht, die Zutaten eines Gerichts entsprechend als Worte, die sich sozusagen zum kulinarischen Gedicht formen. Alles in allem in jedem Fall ein Film, der neugierig macht auf die nordischen Küchenexperimente aus Kopenhagen.

Anke Sterneborg, kulturradio

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