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Berlinale 2017 - "Rückkehr nach Montauk"

Bewertung:

Volker Schlöndorffs Adaption einer Erzählung von Max Frisch lief im Wettbewerb als letzter von drei deutschen Filmen – und ist nach "Homo Faber" schon seine zweite Frisch-Adaption.

Dabei waren schon die grandiosen Anfangs-Credits ein gelungener Auftakt für das folgende Spiel mit Literatur und Leben, Fiktion und Realität:  Schwarze Buchstaben und geometrische Formen auf weißem Grund mit der Struktur von feinem Papier. Buchstaben die von oben herunterfallen, sich zu den Titeln und den Namen der Mitwirkenden fügen, um dann wieder zu zerfallen, so wie auch aus Buchstaben Worte und Erzählungen werden.

Dann ein Mann (der Däne Stellan Skarsgård) der eine Geschichte von seinem sterbenden Vater erzählt, von zwei Frauen, eine aus der Vergangenheit, eine aus der Gegenwart. Doch dann weitet sich der Blick. Man sieht: Der Mann erzählt nicht einfach, er ist Schriftsteller, (nicht Max Frisch, sondern Max Zorn) und hält in New York eine Lesung seines neuen Buches ab.

Geschichten erleben, erinnern, erzählen, konstruieren: Auf immer neue Weise offenbaren sich Brechungen zwischen den Erzählebenen. Die Geschichte, die das Buch schon in der Vergangenheit erzählt, spiegelt sich in der Wirklichkeit, in der Max Zorn alles daransetzt die Frau (Nina Hoss) wiederzutreffen, mit der er einst das Wochenende in Montauk verbracht hat. Und Volker Schlöndorff räumt ein, dass in den Film auch seine persönlichen Erlebnisse eingeflochten sind.

Wunderbare Schauspieler

Um feurige Leidenschaften geht es nicht unbedingt, aber doch um starke Gefühle, um verpasste Chancen, um Schuld, um Reue. Im Kontrast zu vielen eher steif konstruierten Filmen von Schlöndorff entwickelt dieser immer wieder etwas Flirrendes, Leichtes und Geheimnisvolles.

Das hat viel mit der Sinnlichkeit der Schauplätze zu tun, schon im New Yorker Lebensgefühl, vor allem aber später am Meer in Montauk, wo der stürmische Wind und das Meeresrauschen frischen Wind durch die Erzählung pusten.

Zugleich ist es aber auch diesen beiden wunderbaren Schauspielern zu verdanken, die vieles wortlos in flüchtigen Blicken und angedeuteten Gesten erzählen.

Anke Sterneborg, kulturradio

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