"The Party"; © Adventure Pictures Limited 2017
Adventure Pictures Limited 2017
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Berlinale 2017 - "The Party"

Bewertung:

Private Krisen und die politische Weltlage werden in einem Dialogfeuerwerk von durchwegs grandiosen Schauspielern gezündet, viel Stoff zum Lachen, das einem bisweilen aber auch im Halse stecken bleibt.

Nachdem wir am Anfang des Festivals schon zu "The Dinner" eingeladen waren, folgt jetzt "The Party", die Gästeliste ist mit Patricia Clarkson, Bruno Ganz, Emily Mortimer, Cillian Murphy, Kristin Scott-Thomas und Timothy Spall prominent und vielversprechend besetzt. Ganz so ausgelassen und schrill bunt wie beim gleichnamigen Film von Blake Edwards aus den 60er Jahren, ("Der Partyschreck") ging es dabei allerdings nicht zu, schon weil der Film in strengem Schwarzweiß gedreht ist.

"The Party"; © Oxwich Media Limited/Adventure Pictures Limited
"The Party"; © Oxwich Media Limited/Adventure Pictures Limited

Tücken menschlicher Beziehungen

Im allerersten Bild öffnet sich die Tür und die Gastgeberin bedroht ihr Gegenüber, und mit ihm auch den Zuschauer mit einer Pistole, alles was danach geschieht, läuft auf diesen dramatischen Moment zu. Wie immer bei Sally Potter geht es um die Tücken menschlicher Beziehungen, in einer "Komödie, umhüllt von einer Tragödie". Wie immer, wenn das Kino zu Tisch lädt, werden da vor allem allerlei dunkle Geheimnisse serviert, jeder der Beteiligten hadert mit seiner Lebenssituation, nach und nach offenbaren sich feste Beziehungen als marode, von Zweifeln und Affären ausgehöhlt.

"The Party"; © Adventure Pictures Limited 2017
"The Party"; © Adventure Pictures Limited 2017 | Bild: Adventure Pictures Limited 2017© Adventure Pictures Limited 2017

Kristin Scott Thomas spielt eine Politikerin, die zur Feier ihrer Ernennung zur Ministerin im britischen Parlament eine intime Party für engste Freunde gibt. Ihr alkoholisiert dahin dämmernder Mann (Timothy Spall) verkündet alsbald, dass er nur noch wenig Zeit zu leben habe, woraufhin seine Frau augenblicklich per SMS ihre Affäre beendet und auch den Ministerposten in Frage stellt. Dann legt er aber nach und sagt, dass er die ihm verbleibenden Tage mit einer anderen Frau verbringen will.

Banale Äußerlichkeiten & substanzielle Lebenskrise

So folgen im Achterbahnfahrttempo immer weitere Offenbarungen, wobei die Fallhöhe zwischen banalen Äußerlichkeiten, etwa der Kritik an einer Frisur und substanzieller Lebenskrise extrem hoch ist. Mit von der Partie: Die beste Freundin (Patricia Clarkson), die unbequeme  Wahrheiten besonders schlagfertig in giftige Bemerkungen schnürt, ihr sehr viel älterer deutscher Mann (Bruno Ganz), ein lesbisches Pärchen, das mit einer Drillingsschwangerschaft laboriert, sowie ein sichtlich aufgelöster junger Mann, der das Zuspätkommen seiner Frau entschuldigt.

Private Krisen und die politische Weltlage werden in einem Dialogfeuerwerk von durchwegs grandiosen Schauspielern in ganz unterschiedlichen Tonlagen gezündet, viel Stoff zum Lachen, das einem bisweilen aber auch im Halse stecken bleibt. 

Anke Sterneborg, kulturradio

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