Helle Nächte | Tristan Göbel © Schramm Film / Marco Krüger
© Schramm Film / Marco Krüger

Berlinale 2017 - "Helle Nächte"

Bewertung:

Der erste deutsche Wettbewerbstag erzählt die Geschichte von einem Vater und seinem 14jährigen Sohn, die sich völlig fremd sind und die nun - während der Sommersonnenwende in Norwegen - aufeinandertreffen.

In den Hellen Sommernächten im Norden Norwegens ist es manchmal gar nicht so einfach, zur Ruhe zu kommen. Michael (Georg Friedrich), ein etwas spröder und wortkarger Mittvierziger, ist dorthin geflogen, um seinen Vater zu beerdigen, der sich vor ein paar Jahren in die Einsamkeit der norwegischen Wälder zurückgezogen hatte. Da er nicht alleine am Grab stehen will, hat er seinen Sohn mitgenommen, den halbwüchsigen Luis (Tristan Göbel), der normalerweise bei seiner Mutter lebt und den Michael in den letzten Jahren kaum gesehen hat. Michael möchte seinem Sohn wieder näherkommen auf einer sommerlichen Auto- und Wander – Tour durch den hohen Norden. Doch das ist nicht so einfach. Zum einen fehlen ihm die richtigen Worte, zum anderen ist sein Sprössling alles andere als begeistert über die plötzliche Nähe zu seinem Erzeuger.

Auf die Spitze getrieben

Nach seinem Western "Gold" 2013 präsentiert Thomas Arslan auf der diesjährigen Berlinale ein Roadmovie. Ein sehr langsames Roadmovie allerdings, in dem nur das Allernötigste gesprochen wird. Arslan hat die Prinzipien der Berliner Schule diesmal auf die Spitze getrieben: Knappe Dialoge, lange Kamerafahrten und wenige Schnitte: Es gibt in "Helle Nächte" eine Szene, da fahren Vater und Sohn eine einsame Landstraße entlang, während es langsam nebliger wird. Viereinhalb Minuten vergehen ohne einen einzigen Schnitt, ohne dass ein einziges Wort gesprochen wird. Selbst die Musik verharrt auf einem einzigen, dräuenden Ton. Das muss man erstmal aushalten.

Ein paar gute, intime Momente

Auch die beiden Hauptdarsteller tun sich schwer mit dem spartanischen Drehbuch: Georg Friedrich ("Wilde Maus") kann zwar gut schweigen und grimmig schauen, doch als besorgter Vater, der seine früheren Versäumnisse bereut, überzeugt er weniger. Auch Tristan Göbel ("Tschick"), grundsympathisch mit seinen leuchtenden blauen Augen, ist als verstockter Teenager eher fehlbesetzt. "Helle Nächte" hat zwar ein paar gute, intime Momente. Alles in allem aber ist dieser Film zu spröde, zu unentschlossen. Man wartet quälende 90 Minuten auf eine Erlösung, auf einen kathartischen Moment der Versöhnung zwischen Vater und Sohn. Doch als der dann endlich passiert, ist er auch schon wieder vorbei und der Abspann läuft. Schade.

Carsten Beyer, kulturradio

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