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Berlinale 2017 - "Pokot"

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Ein "anarchistischer Thriller"mit feministischen, ökologischen und satirischen Elementen". (Agnieszka Holland)

Duszejko (Agnieszka Mandat) lebt in einem Bauernhaus an der polnisch- tschechischen Grenze. Früher hat sie als Ingenieurin in Syrien und im Libanon Brücken gebaut, heute ist die alte Frau nur noch damit beschäftigt, die Blumen in ihrem Garten zu pflegen und die Tierwelt in den Wäldern um sie herum zu beobachten: Diese Tiere sind allerdings in großer Gefahr – durch unbarmherzige Jäger und skrupellose Wilderer. Da weder der korrupte Bürgermeister noch der bigotte Pfarrer oder die unfähige Polizei irgendetwas unternehmen wollen, nimmt Duszejko schließlich selbst die Dinge in die Hand – aus der friedliebenden Hippie-Oma wird eine erbarmungslose Rächerin der Natur …
 

Feministisch, ökologisch und satirisch

Einen "anarchistischen Thriller" hat Agnieszka Holland ihren Film genannt, mit "feministischen, ökologischen und satirischen Elementen". Tatsächlich bietet die Romanvorlage ihrer Landsfrau Olga Tokarczuk Stoff für mindestens drei Filme: eine überkandidelte Kriminalkomödie, eine liebevoll fotografierte Dokumentation über das Leben im Herzen von Europa und nicht zuletzt ein Kommentar zur polnischen Gesellschaft in der Kaczynski- Ära.

Dass sie es schafft, all das in 2 Stunden zu vereinen, ohne dass ihr die Geschichte aus den Händen gleitet, zeigt die Meisterschaft dieser Frau, die einst als Regie- Assistentin und Drehbuchautorin von Andrzej Wajda begann und die längst selbst zu einer wichtigen Figur des osteuropäischen Kinos geworden ist. Den neuen Machthabern in ihrer polnischen Heimat wird "Pokot" allerdings kaum schmecken, denn im Grunde präsentiert Holland hier zwei klare Alternativen: Wollen wir eine Gesellschaft, die von den "Jägern" geführt wird – von korrupten Politikern, vom Klerus und einer männlich dominierten Elite? Oder wollen wir lieber eine offene Gesellschaft, in der auch andere Dinge etwas gelten, zum Beispiel die Rechte der Frauen oder der Schutz der Umwelt?

Carsten Beyer, kulturradio

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