Silence | Liam Neeson; Foto: Kerry Brown / © 2017 Concorde Filmverleih GmbH
Kerry Brown / © 2017 Concorde Filmverleih GmbH
Foto: Kerry Brown / © 2017 Concorde Filmverleih GmbH | Bild: Kerry Brown / © 2017 Concorde Filmverleih GmbH Download (mp3, 5 MB)

Drama - "Silence"

Bewertung:

Die Unterdrückung der christlichen Minderheit im Japan des 17. Jahrhunderts ist ein Thema das Scorsese am Herzen liegt. Fast 30 Jahre lang verfolgte er dieses Projekt gegen alle Widerstände.

Die Auseinandersetzung mit dem christlichen Glauben zieht sich durch viele Filme des italo-amerikanischen Regisseur Martin Scorsese, mal unterschwellig wie in seinen frühen Filmen "Hexenkessel" und "Taxi Driver", mal zentral wie in "Die letzte Versuchung Christi" wo er das Leben von Jesus rekapituliert hat. Fast 30 Jahre später hat Scorsese jetzt den Roman "Silence" des japanischen Autors Shusako Endo verfilmt.

Silence | Andrew Garfield und Liam Neeson; Foto: Kerry Brown / © 2017 Concorde Filmverleih GmbH
Foto: Kerry Brown / © 2017 Concorde Filmverleih GmbH

1638 ist die christliche Lehre in Japan strikt verboten, europäische Missionare, aber auch Japaner, die sich zum christlichen Glauben bekannte,  werden verfolgt, gefoltert und getötet. Als die beiden jungen portugiesischen Jesuitenpfarrer  Sebastião Rodrigues (Andrew Garfield) und Francisco Garrpe (Adam Driver) erfahren, dass ihr Lehrer und Mentor Pater Cristóvão Ferreira (Liam Neeson) in Japan dem Glauben abgeschworen haben und jetzt ein bürgerliches Leben führen soll, weigern sie sich, das zu glauben. Sie beschließen nach Japan zu reisen, um sich Gewissheit zu verschaffen.

Nach 30 Jahren

Die bereist 1966 entstandene Vorlage stammt von Shusako Endo, einem japanischen Schriftsteller, der selbst christlich sozialisiert wurde und das in seinen Romanen auch immer wieder thematisiert hat. Als Scorseses  "Die letzte Versuchung Christi" 1988 in die Kinos kam, gab es einige Vorführungen für Kirchenvertreter, darunter ein katholischer Bischof, der dem Regisseur dieses Buch ans Herz gelegt hat. In der Geschichte sah Scorsese eine  Weiterentwicklung all der Fragen um Glaube, Schuld und Vergebung, um Religion und Spiritualität, die ihn sein ganzes Leben lang beschäftigen. Besonders berührt hat ihn dieser Passionsweg eines jungen Missionars aber auch, weil er selbst als Teenager eine Weile mit dem Gedanken gespielt hat, Missionar zu werden. Fast dreißig Jahre lang verfolgte Scorsese dieses Projekt gegen alle Widerstände.

Silence | Tadanobu Asano; Foto: Kerry Brown / © 2017 Concorde Filmverleih GmbH
Foto: Kerry Brown / © 2017 Concorde Filmverleih GmbH | Bild: Kerry Brown / © 2017 Concorde Filmverleih GmbH

Glaube auf seine Essenz reduziert

Im bäuerlichen Alltag auf der Shimabara-Halbinsel gab es in kleinen Bauerndörfern eine Menge katholischer Christen. Als die beiden jungen Missionare ankommen, wird der Glaube nur noch heimlich ausgeübt, es gibt keine Kirchen, nur kleine improvisierte Kreuze aus geflochtenem Stroh oder geschnitztem Holz. Der Glaube ist auf seine Essenz reduziert, auf leise Gebete und heimliche Beichten, die beiden Priester leben im Holzverschlag in den Bergen, wo sie bald entdeckt und verraten werden,  wodurch der Inquisitor mit seinen Soldaten auf den Plan tritt.

In der Folge wird der Glaube der beiden Missionare in vielen verschiedenen Stufen auf immer neue Proben gestellt.  Bauern, die sich weigern, ein Abbild Jesu mit Füßen zu treten, werden an der Küste an Kreuzen aufgehängt und der Flut ausgesetzt, wo sie über viele Tage hinweg qualvoll sterben.

Während der Katholizismus seine missionarischen Ziele im Laufe der Jahrhunderte mit beträchtlicher Gewalt durchgesetzt hat, sieht man hier junge Priester, die sich auf demütiges Beten und Helfen beschränken, da sie hier im Unterschied zu den Kolonialstaaten eine vertriebene Minderheit ohne Rechte und Machtinstrumente sind.

Große spirituelle Kraft

Mit immerhin 2 Stunden 40 Minuten Länge, wird der Film für einen pragmatischen, modernen Menschen, der nicht tiefgläubig ist,  immer wieder zur Herausforderung. Gleichzeitig liegt in der inneren Ruhe und Konzentration des Films, in den erlesenen Bildern dieser rauen Landschaft und einem Soundtrack, der zu großen Teilen aus Naturgeräuschen komponiert ist, auch eine große spirituelle Kraft. Spürbar ist diese filmische Meditation über die Grenzen des Glaubens ein Herzensprojekt des Regisseurs.

Anke Sterneborg, kulturradio

Weitere Rezensionen

Vorwärts immer
DCM Filmdistribution; © BELLA

Thriller - "Vorwärts immer"

Eine Verwechslungskomödie, die 1989 in der DDR spielt und in deren Mittelpunkt Erich Honecker steht  - es gibt einiges, das auf den ersten Blick gegen diese Komödie sprechen könnte.

Bewertung:
"Logan Lucky", © Fingerprint Releasing
STUDIOCANAL

Gaunerkomödie - Logan Lucky

Mit der Gaunerkomödie "Ocean’s Eleven" landete der amerikanische Independent-Regisseur Steven Soderbergh 2001 seinen größten kommerziellen Erfolg. Drei "Ocean"-Filme gibt es mittlerweile, 26 Filme hat Soderbergh bisher insgesamt gedreht. Nun sein neues Werk: "Logan Lucky".

Bewertung:
"Einmal bitte alles"
filmschaft maas & füllmich GmbH

Komödie - "Einmal bitte alles"

Mit "Einmal bitte alles" präsentiert die Filmemacherin Helena Hufnagel ihren ersten Spielfilm. Darin geht es um die Mittzwanzigerin Isi, die die Uni gerade hinter sich gelassen hat, aber mit dem Leben einer Erwachsenen noch nicht allzu viel anfangen kann. Denn Isi hat noch Träume und die kollidieren mit dem, was ihr Umfeld so lebt.

Bewertung: