"Der Himmel kann warten" © Neue Visionen Filmverleih
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Drama - "Der Himmel wird warten"

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Ein Film über zwei junge Frauen, die mit islamistischen Terroristen in Kontakt kommen und sich radikalisieren.

Was bewegt junge Menschen, dem wohlbehüteten Leben in Europa den Rücken zu kehren und stattdessen nach Syrien zu gehen, um dort als Selbstmord-Attentäter oder als Märtyrer in einem blutigen Krieg zu sterben? Warum verzichten junge Frauen auf ihre Freiheit und unterwerfen sich lieber dem Diktat eines radikalen und missverstandenen Islam? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die französische Filmemacherin Marie-Castille Mention-Schaar in ihrem neuen Film "Der Himmel wird warten".

Die Polizei stürmt das Haus der Eltern

Dabei erzählt sie die Schicksale von zwei jungen Frauen, die sich in diesem Film zwar nie begegnen, deren Geschichten aber quasi nebeneinander herlaufen. Die 17- jährige Sonia (Noémie Merlant) hat bereits einen Versuch unternommen, nach Syrien zu reisen, wurde dabei aber an der Grenze aufgehalten.

Zwei Monate später stürmt ein Sonderkommando der französischen Polizei das Haus ihrer Eltern (Sandrine Bonnaire & Zinedine Soualem), weil Sonia mit islamistischen Terroristen Kontakt aufgenommen und eine verdächtige Tasche für sie transportiert hat.

Die 17-jährige Sonia (Noémie Merlant) hat sich dem Dschihad angeschlossen. © Neue Visionen Filmverleih
Sonia (Noémie Merlant) hat sich dem Dschihad angeschlossen. © Neue Visionen Filmverleih

Sie macht sich auf den Weg nach Syrien

Die 16- jährige Mélanie (Naomi Amarger) ist ein sehr selbstbewusstes Mädchen, das viele Freunde hat und einen guten Draht zu ihrer allein-erziehenden Mutter (Clotilde Coureau). Dann allerdings lernt sie beim Chatten im Internet einen jungen Muslim kennen und verliebt sich in ihn. Aus ganz harmlosen Gesprächen über die vielen Ungereimtheiten und Ungerechtigkeiten der westlichen Welt entwickelt sich nach und nach ein regelrechtes Abhängigkeitsverhältnis.

Mélanie (Naomi Amarger) will ihren Freunden begreiflich machen, wie sie manipuliert werden. © Neue Visionen Filmverleih
Mélanie (Naomi Amarger) will ihren Freunden begreiflich machen, wie sie manipuliert werden. © Neue Visionen Filmverleih | Bild: © Neue Visionen Filmverleih

Mélanie entfernt sich immer mehr von ihren Freunden und ihrer Mutter, sie konvertiert zum Islam und  beginnt sogar, den Tschador zu tragen. Irgendwann – Mélanie sitzt gerade im Französisch- Unterricht in der Schule -  kommt per SMS die Aufforderung, sie solle sich aufmachen nach Syrien, denn nur so könne sie ihr Seelenheil retten. Und Mélanie macht sich auf – ohne Rücksicht auf Verluste…

Catherine (Sandrine Bonnaire) ist darüber erschüttert, wie fremd ihre Tochter ihr geworden ist. © Neue Visionen Filmverleih
Catherine (Sandrine Bonnaire) ist erschüttert, wie fremd ihre Tochter ihr geworden ist. © Neue Visionen Filmverleih

Die Verzweiflung der Eltern

Das Drehbuch für den Film hat Marie Mention-Schaar gemeinsam mit Dounia Bouzar erarbeitet – einer Frau, die seit vielen Jahren die Eltern gefährdeter Jugendlicher berät – und die sich hier im Film quasi selbst spielt als Leiterin einer Selbsthilfe-Gruppe, in der auch die Eltern von Mélanie und Sonia sitzen. Der Film zeigt dabei nicht nur die Verzweiflung der Eltern, sondern auch wie schwer es für sie ist, ihre Kinder überhaupt noch zu erreichen, wenn die erst einmal von der Botschaft des Islamischen Staats durchdrungen sind.

Wie eine Drogensüchtige auf Entzug

Dabei ist die Dramaturgie des Films sehr geschickt aufgebaut. Denn während wir Mélanie dabei beobachten, wie sie sich immer stärker radikalisiert, ist es bei Sonia genau umgekehrt: Nachdem sie aktenkundig geworden ist bei der Polizei, befindet sie sich nur noch unter ganz strengen Auflagen auf freiem Fuß.

Ihre Eltern müssen sie auf Schritt und Tritt begleiten, sie darf weder Telefon noch Internet benutzen – und jeglicher Kontakt mit ihren früheren "Freunden" ist ihr verboten. Wie eine Drogensüchtige auf Entzug beginnt sich die junge Frau ganz langsam wieder in ihr altes Ich zurück zu verwandeln - das gibt diesem Film zum Schluss wenigstens noch eine halbwegs hoffnungsvolle Botschaft.

Mit den Kindern über den Film sprechen

"Der Himmel wird warten" ist vom Thema klar ein Film für Jugendliche (FSK 12). Durch die komplexe Erzählstruktur mit vielen Vor- und Rückblenden und durch die zwei parallel ablaufenden Handlungsstränge ist der Film allerdings nicht so ganz einfach zu verstehen. Wer also mit seinen Kindern in diesen Film geht, sollte sich auf jeden Fall die Zeit nehmen, anschließend auch über den Film zu reden.

Carsten Beyer, kulturradio

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