"Mit Siebzehn" © koolfilm
Bild: koolfilm

Drama/ Liebesfilm - "Mit Siebzehn"

Bewertung:

Der französische Filmregisseur André Téchiné hat bereits 25 Filme gedreht. In seinem neuen Film "Mit Siebzehn", der letztes Jahr im Wettbewerb der Berlinale lief, erzählt Téchiné, heute 74 Jahre alt, eine Coming-Out-Geschichte von zwei jungen Männern. Gedreht hat er in der Berglandschaft im Südwesten Frankreichs.

Siebzehn ist ein schwieriges Alter, das weiß jeder, der erwachsen ist. QUAND ON A 17 ANS – "wenn man 17 ist"  lautet der französische Filmtitel des Dramas von Altmeister André Techiné. Frei nach Rimbaud. Der deutsche Verleihtitel ist da etwas weniger poetisch: "Mit Siebzehn". "Mit Siebzehn" ist ein gleichermaßen naturalistischer wie poetischer Film, eine Coming Of Age-Geschichte, die zugleich die eines Coming Outs ist. Im Mittelpunkt stehen zwei junge Männer: Thomas und Damien.

"Mit Siebzehn" © koolfilm
"Mit Siebzehn" © koolfilm

Bei ihren Begegnungen fliegen die Fetzen

Jeden Tag läuft Thomas eine Stunde zu Fuß die Berge hoch und wieder runter, stapft durch tiefen Schnee. Es ist sein Weg von der Schule im Tal nach Hause, wo er mit seinen Adoptiveltern auf einem einsam gelegenen Bauernhof lebt. Thomas ist ein Außenseiter in der Schule. Ein Einzelgänger. Genau wie Damien, der das Gegenteil von Thomas ist: ein Feingeist, Sohn der Landärztin, die ihn jeden Morgen mit dem Auto zur Schule bringt, und eines Hubschrauberpiloten, der Einsätze in Kriegsgebieten fliegt.

Verbundenheit in ihrem Außenseitertum verspüren die beiden jungen Männer dennoch nicht – zumindest nicht aus diesem Grunde. Wenn sie sich begegnen, fliegen die Fetzen, sie prügeln sich, sagen sich Gemeinheiten. Thomas' Desinteresse an Damien scheint nicht gespielt, seine Ablehnung echt. Damien aber ist über beide Ohren in Thomas, diesen schönen jungen Mann, verliebt. Irgendwann begreift man, wie ihre Beziehung funktioniert: sie sind wie zwei Pole, die einander abstoßen und anziehen: die hassen, was sie begehren. Die keine andere Sprache für ihre Gefühle finden, als die körperliche Auseinandersetzung.

Zwei beeindruckende Nachwuchsschauspieler

Zwei Nachwuchsschauspieler stehen hier vor der Kamera: der Franzose Corentin Fila und Kacey Mottet-Klein aus der Schweiz – ihr kraftvoll-körperliches Spiel ist beeindruckend. Techiné hat sich immer schon für diese Zeit des Erwachsenwerdens interessiert, mit seinem autobiographischen Film WILDE HERZEN – über seine eigene Zeit des Erwachsenwerdens – wurde er 1994 berühmt.

"Mit Siebzehn" © koolfilm
"Mit Siebzehn" © koolfilm | Bild: © koolfilm

Die Kraft der Landschaft

Das Drehbuch zu "Mit Siebzehn" schrieb er gemeinsam mit der Regisseurin Céline Sciamma. Auch sie interessiert sich in ihren Filmen wie WATER LILIES oder TOMBOY für die Zeit der Adoleszenz.

So ist ihr Drehbuch eine durchweg überzeugende Auseinandersetzung mit einer Lebensphase, in der man vielleicht mehr fürs Leben lernt als irgendwann sonst. Und genau da setzt Techiné an. Er inszeniert die Dringlichkeit der Figuren wie auch die Kraft der Landschaft mit großer Eleganz. Auch die Jahreszeiten spielen eine große Rolle: das Grün des Sommers und Frühlings, das Weiß des Winters. Die Berge. Das Tal. Techiné geht es um das Spiel der Gegensätze, die ohne einander nicht wären.

Christine Deggau, kulturradio

Weitere Rezensionen

Die Schöne und das Biest; © 2016 Disney Enterprises inc. All Rights Reserved
© 2016 Disney Enterprises inc. All Rights Reserved

Liebesfilm - "Die Schöne und das Biest"

Zunächst wirkt die Version des berühmten Märchens von Bill Condon altbacken, erst im Schloss kommt Leben in den Film: Inmitten des eher faden Musical nistet sich da ein vergnügter Animationsfilm ein, mit sehr viel subversivem Witz und vielen kleinen, liebevollen Details.

Bewertung: