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Dokumentation - "Dancing Beethoven"

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Arantxa Aguirre begleitete das weltberühmte Béjart Ballett bei den Proben zu Ludwig van Beethovens 9. Sinfonie – und drehte einen Film nicht nur für Ballett-Fanatiker.

Maurice Béjart war ein legendärer Tänzer und Choreograf, der das klassische Ballett mit neuen Impulsen von Philosophie und Mythen, sexueller Revolution, aber auch Kitsch und Pathos als Gesamtkunstwerk inszenierte und auf diese Weise ein breites Publikum für den Tanz gewinnen konnte.

Vor allem das Verständnis des männlichen Tänzers im neoklassizistischen Ballett erneuerte er radikal. Bei ihm waren die Männer nicht nur Hebepartner der Frauen, sondern brachten ihre ganze eigene Sensibilität zum Ausdruck. 2007 ist Béjart gestorben, seine Compagnie in Lausanne führt seitdem Gil Roman.

Nun gibt es eine Dokumentation der Spanierin Arantxa Aguirre, die seit 2008 bereits diverse Dokumentationen über die Truppe gedreht und auch einzelne Teile des Repertoires gefilmt hat. Das dabei gewachsene Vertrauensverhältnis führte dazu, dass die Compagnie sie mit dem Auftrag betraute, die Probephasen dieses großen Projekts, der tänzerischen Umsetzung von Beethovens 9. Sinfonie, mit der Kamera zu begleiten. Insgesamt hat sie die Entstehung dieser Aufführung über luxuriöse neun Monate und drei Jahreszeiten hinweg begleitet.

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Eine getanzte Utopie

In seiner berühmten 9. Sinfonie vertonte Ludwig van Beethoven Schillers "Ode an die Freude". Die zentrale Aussage "Alle Menschen werden Brüder" verwandelt Béjart passend zu unseren unruhigen Zeiten mit Flüchtlingsströmen und Fremdenhass in seiner Ballettchoreografie in eine getanzte Utopie.

Fast zehn Jahre nach Béjarts Tod führt das Béjart Ballet Lausanne diesen Ansatz in Form einer Zusammenarbeit mit dem Tokyo Ballet und dem Israel Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Zubin Mehta noch weiter. Am Ende kulminiert der Gedanke von Völkerverständigung und Verbrüderung in einem riesigen Kreis, zu dem sich alle Tänzer verbinden, in einem ganz besonderen Austausch der Kulturen und Nationen.

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Nicht nur für Ballett-Fanatiker

Bei den Proben wahrt die Kamera respektvolle Distanz, Tänzer studieren in Trainingsanzügen einzelne Passagen ein, die sich langsam zur fließenden Choreografie verbinden. Zwischendrin kommt es zu Gesprächen, in denen die beteiligten Tänzer und Musiker, aber auch Choreografen und Kritiker, ihre Interpretationen erläutern. Alles in allem ist dies ein sehr intimer Blick in die Werkstatt des Balletts.

Eine gewisse Irritation löst eine junge Interviewerin aus, die offensichtlich nicht die Regisseurin ist. Als eine der führenden Tänzerinnen schwanger wird und zum Pausieren gezwungen ist, eröffnet sich eine neue Ebene, in der es um den Preis der Kunst geht und um die Opfer die man als Frau möglicherweise erbringen muss. Ein Fragenkomplex, in dem die junge Interviewerin eine geheimnisvolle Rolle einnimmt.

"Dancing Beethoven" ist nicht nur ein Film für Ballett-Fanatiker, sondern ein Film, der jeden kulturell Interessierten auf vielschichtige Weise anspricht und begeistert.

Anke Sterneborg, kulturradio

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