"Der traumhafte Weg" ©Filmgalerie 451
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Spielfilm - "Der traumhafte Weg"

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Zwischen all den großen Filmen, die allwöchentlich in die Kinos kommen und vor allem eines wollen: uns zu unterhalten, gibt es manchmal auch andere Filme. Solche, die uns zum Nachdenken anregen wollen. So ein Film ist EIN TRAUMHAFTER WEG der Berliner Regisseurin Angela Schanelec.

Der Film beginnt mit einer Frau, die am Strand kniet und versunken vor sich bin blickt. Ihr Freund sitzt neben ihr und beobachtet sie. Es ist vielleicht die intimste Szene des Films. Man schreibt das Jahr 1984, wir sind in Griechenland, kurz vor den Europawahlen. Theres und Kenneth sind ein Paar, sie machen Straßenmusik, um Geld zu verdienen. Dann ruft Kenneth zuhause an, erfährt, dass seine Mutter einen Unfall hatte und reist überstürzt ab. Er wird Theres noch einmal in Deutschland besuchen, doch scheint es nicht möglich, an die Zeit in Griechenland anzuknüpfen.

"Der traumhafte Weg" ©Filmgalerie 451
"Der traumhafte Weg" ©Filmgalerie 451 | Bild: ©Filmgalerie 451

30 Jahre später in Berlin

Dann springt die Geschichte nach Berlin. 30 Jahre später. Ein anderes Paar steht im Mittelpunkt: Maren Eggert spielt eine Schauspielerin, die mit ihrer Ehe hadert, sich von ihrem Mann trennen wird. Der bezieht am Berliner Hauptbahnhof eine Wohnung, von der aus er immer wieder einen Obdachlosen und seinen Hund beobachtet: Kenneth. Und auch Theres lebt mittlerweile in Berlin. Sie begegnet Kenneth hier wieder. Der Bahnhof wird zum prägenden Ort im zweiten Teil des Films – ein Bild für das Kommen und Gehen.

Jede der Figuren ist auf der Suche nach Liebe. Liebe zu finden. Jede hat ihre persönliche Geschichte: Heroinsucht bei Kenneth, Schwangerschaft bei Theres. Tod der Mutter. Geburt des Sohnes. Wiederbegegnung. Es sind die großen Themen, die  hier "traum-haft" umgesetzt werden. In dem Sinne, dass das Leben einfach geschieht.

Zu lachen gibt es nichts

Erzählt wird in genau kadrierten Einstellungen, die sich oft mehr auf Details als auf die Handlung  fokussieren. Schanelec benutzt viele Metaphern, arbeitet mit Zeitsprüngen, Ortswechseln. Oft ist es schwierig für den Zuschauer, Zuordnungen zu treffen und Verortungen vorzunehmen, die Figuren näher kennenzulernen oder Empathie zu entwickeln. Solchen Ansätzen verweigert sich  der Film. Es gibt keinen griffigen Plot, keine Dramatik. Kaum Sprache. Doch hat diese Künstlichkeit durchaus etwas Faszinierendes, sie verlangt Aufmerksamkeit, zwingt uns, die Leerstellen wahrzunehmen. Leider schrammt sie oft am Pathos vorbei.

Überhaupt: zu lachen gibt es nichts. Auch nicht zu lächeln. Inspiriert ist Schanelec, wie sie selbst sagt, von dem Gedanken Claude Levi Strauss’, dass der Mensch zuerst ein leidendes Wesen ist bevor er ein lachendes wird. Dieser Blick, durch den die Handlung zweitrangig wird, verlangt dem Zuschauer einiges ab.

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Eine Regisseurin der "Berliner Schule"

Angela Schanelec zählt zu der sogenannten "Berliner Schule", war selbst Schauspielerin und ist heute ist Professorin an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg. Sie schreibt ihre Drehbücher selbst und steht für einen sehr eigenwilligen Stil, der Mitte der 90er Jahre die "Berliner Schule" mitbegründete. Im Mittelpunkt stehen hier Alltagsgeschichten, sehr langsam erzählt, und emotional sehr zurückhaltende Protagonisten.

Neben Thomas Arslan und Christian Petzold ist Schanelec sicherlich die konsequenteste Regisseurin der "Berliner Schule", eine, die sich auf keinerlei Kompromisse einlässt.

Christine Deggau, kulturradio

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