"The Birth of a Nation"; © 2016 Twentieth Century Fox
Bild: 2016 Twentieth Century Fox

Drama - "The Birth of a Nation"

Bewertung:

Ein kraftvoller, erschütternder Film, der in starken Bildern und Szenen an den weitgehend unbekannten Sklavenaufstand von 1831 erinnert.

Einen Moment lang im letzten Jahr schien der Stern dieses Films hell und strahlend. Gerade als sich die Academy of Motion Pictures, Arts and Sciences mit dem Oscar-so-white-Vorwurf herumschlagen musste, lief auf dem Sundance Festival ein Film, der Rettung versprach, ein Film über den Sklavenaufstand 1831 in Virginia, von und mit einem schwarzafrikanischen Regisseur und Schauspieler der sich durchaus als Oscar-Kandidat empfahl.

Doch dann wurde bekannt, dass Nate Parker und sein Co-Autor Jean Celestin 2001 wegen Vergewaltigung angeklagt waren, Parker wurde freigesprochen und Celestin verurteilt. Anschließend boykottierten die Amerikaner den Film nicht nur in der Oscar-Auswahl, sondern auch an der Kinokasse, spürbar unerbittlicher als wenn es um weiße Regisseure wie Roman Polanski oder Woody Allen geht.

Allerdings haben sich die Autoren auch keinen Gefallen damit getan, dass sie die wahren Ereignisse dieses Sklavenaufstandes für ihren Film dramatisch aufgepeppt haben, und zwar ausgerechnet mit einer Vergewaltigung als finaler Auslöser für den Sklavenaufstand – in Wirklichkeit war es eine Sonnenfinsternis, die Turner als göttlichen Aufruf zum Widerstand interpretiert hat.

"The Birth of a Nation"; © 2016 Twentieth Century Fox
"The Birth of a Nation"; © 2016 Twentieth Century Fox

Die Geschichte von Nat Turner

Schon der Titel ist eine ganz bewusste Provokation: Dem Stummfilmklassiker von D.W. Griffith, der eine Geschichte aus dem amerikanischen Bürgerkrieg erzählte und dabei recht unverhohlene Sympathien für den gerade relevant werdenden KuKluxKlan hegt, stellt Nate Parker nun die Geburt der schwarzen Nation gegenüber.

Erzählt wird die Geschichte von Nat Turner, einem Sklaven, der 1800 in Virginia geboren ist, und zusammen mit seinen Eltern auf einer Baumwollplantage arbeiten musste. Als die Hausherrin bemerkt, dass der Junge sich selbst das Lesen beigebracht hat, unterstützt sie ihn, allerdings durfte er nur ein einziges Buch lesen, und zwar die Bibel, was wiederum dazu führte, dass er die Lehre Gottes unter den Schwarzen verkündete.

Bald holten ihn auch die anderen Plantagenbesitzer, damit er den wachsenden Unmut unter den Schwarzen besänftige. Während er selbst es mit einem relativ moderaten Herrn (Armie Hammer) zu tun hatte, wurde er auf seinen Reisen durch Virginia Zeuge schrecklichster Gräuel und Misshandlungen, die seinen Widerstandsgeist zunehmend anstachelten und letztlich zum blutigen Sklavenaufstand von 1831 führten, bei dem rund 60 Plantagenbesitzer und ihre Angehörige ermordet wurden.

Die aussichtslose Lage der Sklaven

Nate Parker wurde vorgeworfen, die Gewalt unnötig brutal auszumalen, aber letztlich macht er nur die aussichtslose Lage der Sklaven auf wuchtige, eindrückliche und durchaus angemessen Weise spürbar. Immer wieder findet er starke, aufwühlende Bilder, etwa am Ende, wenn die Kamera nach der Niederschlagung des Aufstandes, ganz langsam durch die Wälder streift, vorbei an den riesigen Bäumen, in denen die gehenkten Schwarzen baumeln.

Auch wenn der Film bisweilen recht plakativ arbeitet und neben dem von Regisseur und Autor Nate Parker gespielten Helden wenig Raum für andere komplexe Figuren bleibt, ist "The Birth of a Nation" ein kraftvoller, erschütternder Film. In starken Bildern und Szenen erinnert er an den weitgehend unbekannten Sklavenaufstand von 1831, in dem die Schwarzen ihre eigene Geschichte in die Hand nehmen, wenn auch nur für einen kurzen Moment.

Anke Sterneborg, kulturradio

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