Joachim Król und Campino © mindjazz pictures
© mindjazz pictures | Bild: mindjazz pictures

Dokumentarfilm - "You’ll Never Walk Alone"

Bewertung:

Kein Film über Fußball. Theater, Tanzschulen, Kirchen, Chorproben und Fußballstadien hat André Schäfer auf der Suche nach Herkunft und Popularität des Songs – der Fußballhymne – besucht.

"You’ll never walk alone" – dieses Lied ist in den letzten 50 Jahren zur inoffiziellen Hymne von Fußballvereinen auf der ganzen Welt geworden. Es wird nach großen Siegen gesungen, aber auch zu traurigen Anlässen – beispielsweise, als die Mannschaft von Borussia Dortmund Ziel eines Bomben-Anschlags wurde und nur knapp einer Katastrophe entging. Die Botschaft des Songs ist klar: "You’ll never walk alone" – "Wir lassen Euch nicht im Stich", in guten wie in schlechten Zeiten. Wo aber stammt dieses Lied her? Damit beschäftigt sich der Dokumentarfilm von André Schäfer.

André Schäfer und Joachim Król © mindjazz pictures
© mindjazz pictures

Kein Film über Fußball

Dabei ist "You’ll never walk alone" kein Film über Fußball. Es ist ein Film, in dem der Fußball eine wichtige Rolle spielt, aber genauso auch das Theater, die Operette, das Musical, und das Kino. Es ist ein Film über ein faszinierendes Phänomen, es ist eine musikalische Reise rund um die ganze Welt und es ist vor allem der Beweis dafür, wie spannend Kulturgeschichte sein kann, wenn man sie nur gut erzählt, mit den richtigen Bildern und den richtigen Protagonisten.

Schäfers Film beginnt in Budapest, wo der ungarische Dramatiker Ferenc Molnar 1909 seinen "Liliom" schreibt. Er geht dann weiter über New York, und Hollywood bis nach Liverpool, wo ein junger Sänger namens Gerry Marsden mit seiner Band "The Pacemakers" die Ballade "You’ll never walk alone" aufnimmt und daraus einen Popsong macht. Dieser Popsong wird im Stadion des FC Liverpool über die Lautsprecher gespielt. Die Fans lieben ihn – und schon hat der englische Fußball seine Hymne, die heute, mehr als 50 Jahre später, noch immer mit der gleichen Inbrunst gesungen wird und die mittlerweile von Fußballvereinen aus der ganzen Welt übernommen wurde.

Joachim Król und Jürgen Klopp © mindjazz pictures
© mindjazz pictures

Interessante Protagonisten

André Schäfers Film beschäftigt sich aber nicht nur mit der Herkunft von "You’ll never walk alone", er erklärt auch die Tatsache, warum dieses Lied auf Fußballplätzen so populär geworden ist. Er besucht Theater, Tanzschulen, Kirchen, Chorproben und Fußballstadien und er schafft so spielerisch den Brückenschlag zwischen E- und U-Kultur. Mit Joachim Król hat Schäfer einen sympathischen und engagierten Erzähler gefunden und mit Leuten wie Jürgen Klopp, Gerry Marsden, Campino und der Schauspielerin Mavie Hörbiger interessante Protagonisten.

Zielstrebig und anekdotenreich

Natürlich kann man sich bei einem so anekdotenreichen Film immer streiten: Hätte man die eine Episode vielleicht auch weglassen können und dafür eine andere etwas ausführlicher erzählen können? Trotzdem: gerade weil dieser Film nicht hundertprozentig zielstrebig ist, ist er so charmant. Ich habe auf jeden Fall in diesen 99 Minuten eine Menge gelernt – und vor allem: Ich habe mich nicht eine Sekunde gelangweilt!

Carsten Beyer, kulturradio

Weitere Rezensionen

Happy End, © X-Verleih AG
X-Verleih AG

Drama - "Happy End"

Michael Haneke ist der einzige Regisseur, der in Cannes mit zwei aufeinanderfolgenden Filmen die goldene Palme gewonnen hat, mit "Das weiße Band" und "Liebe". Auch sein neuester Film "Happy End" lief auf dem Festival, wurde allerdings nicht ganz so euphorisch aufgenommen wie seine Vorgänger.

Bewertung:
Filmstill: Die Nile Hilton Affäre
Port au Prince Pictures

Thriller - "Die Nile Hilton Affäre"

Ein ebenso düsterer wie eleganter Thriller: Es geht um einen Mord an einer libanesischen Sängerin, die mit einem reichen Geschäftsmann eine Affäre hatte und ermordet wird.

Bewertung: