"Born to be Blue" © AlamodeFilm
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Drama - "Born to be Blue"

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Bald dreißig Jahre sind vergangen, seit der Fotograf und Filmregisseur Bruce Weber der Jazzlegende Chet Baker unter dem Titel "Let’s get lost" eine einfühlsame Dokumentation widmete. In dem Spielfilm "Born to be Blue" verkörpert Ethan Hawke den ebenso begnadeten wie gebeutelten Musiker.

Regie führte der bei uns nicht sonderlich bekannte, kanadische Regisseur Robert Budreau, der sich viele Freiheiten der Auslegung nimmt. Statt das Leben akribisch nachzuerzählen,  destilliert er dessen Essenz. Er nimmt bekannte Episoden aus Bakers Leben sozusagen als Grundmelodie, um sie nach dem Prinzip des Jazz neu zu interpretieren und zu variieren. Es geht nicht um die Fünfziger Jahre, in denen Baker einer der berühmtesten Trompeter der Welt war und als Pionier des Westküsten-Jazz und der King of Cool gefeiert wurde. Stattdessen steigt der Film Mitte der Sechziger Jahre ein, als Chet Bakers Karriere durch einen Drogenabsturz und einen Gefängnis-Aufenthalt in Italien ruiniert war.

"Born to be Blue" © AlamodeFilm
"Born to be Blue" © AlamodeFilm

Das Ringen um ein Comeback

Budreau rekonstruiert die Zeit sehr authentisch und stimmungsvoll, wählt dann einige gesicherte Ereignisse aus, wie den Kampf gegen die Heroinsucht, eine überlieferte Schlägerei mit einem Drogendealer, in der Baker seine Vorderzähne verlor - für einen Trompeter eine Katastrophe - das Ringen um ein Comeback und ein Konzert im legendären Birdland.

Eine Schlüsselfigur des Films aber ist eine Freundin, die sich  aus mehren Frauen zusammensetzt, mit denen Baker Affären hatte. Im Film lernt er sie bei den Dreharbeiten zu einem Film kennen, in dem er sich selber spielt, das Angebot gab es tatsächlich von dem Produzenten Dino de Laurentis, doch zu dem Film selbst kam es in Wirklichkeit nie.

"Born to be Blue" © AlamodeFilm
"Born to be Blue" © AlamodeFilm | Bild: AlamodeFilm

Schöne Szenen in der Natur

Das stilistische Grundmotiv ist der Jazz, das sprunghafte Hintupfen von Momenten und Szenen, der Wechsel zwischen Schwarzweiß und Farbe: Dabei ist der Film nicht nur von klassischen Musikerfilmen wie "Round Midnight" inspiriert, sondern auch von den Films Noirs der Vierziger und Fünfziger Jahre. Und es gibt wunderschöne Szenen, in denen Chet Baker in der freien Natur spielt, vor riesigem Himmel oder am weiten Strand, für Momente ganz eins mit sich und der Musik.

Gespielt wird Chet Baker von Ethan Hawke, dessen improvisatorischer Ansatz ans Schauspielen gut zum Charakter des Jazz passt. Er spielt den Musiker  in einer schönen Mischung aus Verlorenheit, Arroganz und Egoismus, mit einer fast kindlichen Unsicherheit. Auf herzzerreißende  Weise macht er die selbstzerstörerische Kraft spürbar, die dieser sehnsuchtsvoll melancholischen Musik zugrunde liegt.

"Born to be Blue" © AlamodeFilm
"Born to be Blue" © AlamodeFilm

Aus dem Geist des Jazz erzählt

Die alte Geschichte von musikalischen Höhenflügen und Drogen-Abstürzen ist hier auf  sehr berührende Weise aus dem Geist des Jazz heraus erzählt. Es ist die Geschichte eines Mannes, der seinem eigenen Talent nie vertrauen konnte.

Anke Sterneborg, kulturradio

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