Innen Leben: Delhani (Juliette Navis) und Oum Yazan (Hiam Abbass) blicken auf den Krieg vor der Tür; © Weltkino Filmverleih
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Drama - "Innen Leben"

Bewertung:

"Innen Leben" erzählt vom Krieg in Syrien aus der Sicht einer durchschnittlichen Familie, die eingeschlossen im letzten noch bewohnten Appartement eines Mietshauses um einen letzten Rest von Alltagsnormalität kämpft.

Auf der vergangenen Berlinale war der Film "Innen Leben" in der Sektion Panorama noch unter dem subversiv vielschichtigen Titel "Insyriated" zu sehen. Damals wurde er mit dem Panorama Publikums Award ausgezeichnet und der flämische Regisseur Philippe Van Leeuw bekam immerhin das Label Europa Cinemas verpasst.

Philippe Van Leeuw ist als Kameramann häufig im Libanon unterwegs gewesen und war dadurch mit der Region und ihren Bewohnern vertraut und vielleicht auch in besonderem Maße für den syrischen Bürgerkrieg sensibilisiert. Die anonymen Nachrichtenbilder wollte er durch die Perspektive der Zivilbevölkerung erweitern. Als eine syrische Kamerafrau ihm von ihrem Vater erzählte, der drei Wochen lang völlig isoliert in seiner Wohnung in Aleppo festsaß, wurde das sein Ansatzpunkt.

Dabei hat er die Geschichte auf einen einzigen Schauplatz und auf einen begrenzten Zeitraum von 24 Stunden beschränkt, um schneller und spontaner drehen zu können, als bei seinem ersten Spielfilm über den Völkermord in Ruanda. Es wäre natürlich auch sehr viel aufwendiger und kostspieliger gewesen, direkt vom Kriegsschauplatz zu erzählen, und das Kammerspiel gab ihm die Möglichkeit, die intime Perspektive ganz normaler Menschen spürbar zu machen.

Innen Leben: Warten und hoffen; © Weltkino Filmverleih
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Ein moralisches Dilemma

Von der ersten Einstellung an befindet sich der Zuschauer mit dieser Familie in der Wohnung, zusammen mit einer älteren Mutter, Oum Yazan (Hiam Abbass), ihren drei Kindern, dem Freund einer ihrer Töchter, ihrem Schwiegervater, einem indischen Hausmädchen und einem jungen Paar mit Baby, deren Nachbarwohnung vor kurzem ausgebombt wurde.

Der Krieg existiert im Grunde nur weit entfernt auf der Tonspur, in Geräuschen von Scharfschützengewehrfeuer und Explosionen. Die Haustür ist mit zwei schweren Holzbalken verriegelt, die immer nur kurz weggeschoben werden. Zum Putzen, Trinken, Waschen und Kochen muss sparsam mit dem Wasser aus einem großen Plastikkanister gehaushaltet werden. Bei Gefahr kauern sich alle in der Küche zusammen, um dann wieder den alltäglicheren Verrichtungen nachzugehen.

Doch dann wird das Hausmädchen zufällig Zeuge, wie der junge Vater beim Verlassen der Wohnung draußen auf dem Parkplatz von einem Scharfschützen getroffen wird und leblos zusammenbricht. Sie erzählt nur der Mutter davon, und die beschließt, das geheim zu halten, aus Angst, dass jeder, der nach ihm sieht, auch erschossen werden könnte. Ein schreckliches, moralisches Dilemma, wenn man davon ausgeht dass dieser Mann noch zu retten wäre.

Ein starkes Argument

"Innen Leben" ist eine belgisch-französisch-libanesische Koproduktion, die mit einem internationalen Team in Beirut gedreht wurde, also in einem ähnlichen Kulturkreis, und mit lauter Schauspielern, denen dieser Kriegszustand vertraut ist, mit Libanesen, Syrern und allen voran, als Mutter, Hiam Abbass. Die palästinensische Schauspielerin, die in Israel aufgewachsen ist, stellt sich immer wieder in den Dienst von Versöhnung und Toleranz, zum Beispiel in ihrer Arbeit mit dem israelischen Regisseur Eran Riklis in "Die syrische Braut" und "Lemon Tree".

Erneut spielt sie eine Frau, die sich weigert zum Opfer zu werden: Doch der Krieg, den man im ganzen Film nie konkret zu sehen bekommt, spiegelt sich in ihrem Gesicht, die Anspannung, die Angst, die Verzweiflung, die Schwierigkeit in solchen Situationen die richtige Entscheidung zu treffen.

So rückt dieser Film den Krieg, der in den Nachrichten immer sehr weit entfernt scheint in ganz unmittelbare und schmerzliche Nähe und ist damit ein sehr starkes Argument für den Schutz der syrischen Flüchtlinge.

Anke Sterneborg, kulturradio

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