"Life, Animated": Zeichnung von Owen als Kind; © Life Animated Documentary Productions LLC
Bild: Life Animated Documentary Productions LLC

Dokumentation - "Life, Animated"

Bewertung:

Neben der sehr ambitionierten Umsetzung dieser ungewöhnlichen Coming Of Age-Geschichte, die Owen beim Erwachsenwerden begleitet, überzeugt "Life, Animated" als Porträt einer Familie, die tiefstes Vertrauen prägt.

Spätestens seit Barry Levinsons Drama "Rain Man" von 1988, in dem Dustin Hoffmann den Autisten Raymond spielt, ist der Begriff Autismus weitestgehend bekannt. Doch was genau es sich mit dieser Krankheit auf sich hat, die Vielfältigkeit ihrer Symptome und vor allem: wie es sich anfühlt, mit einer autistischen Störung zu leben – darüber wissen wir wenig.

"Life, Animated": Owen und seine Familie an seinem Geburtstag; © Life Animated Documentary Productions LLC
Owen und seine Familie an seinem Geburtstag; © Life Animated Documentary Productions LLC | Bild: Life Animated Documentary Productions LLC

Auf Augenhöhe

Roger Ross Williams versucht in seinem für den Oscar nominierten Dokumentarfilm, diesem Lebensgefühl nahezukommen, indem er seinen Protagonisten Owen Suskind begleitet, befragt – ihn auf Augenhöhe behandelt. Die Krankheit erklärt sich so durch Gespräche mit Owen und vor allem auch mit seiner Familie.

Disney-Filme als Schlüssel

Autisten haben oft sogenannte "Inselbegabungen", heißt: Auf einem Gebiet sind sie überdurchschnittlich intelligent. Bei Owen ist das vielleicht die Rückeroberung der Sprache. Denn die ersten drei Jahre ist er ein ganz normales Kind. Mit drei Jahren plötzlich fängt er wieder an zu brabbeln. Hat Schwierigkeiten zu laufen. "Er verschwand", sagt sein Vater. Diagnose: Autismus.

"Life, Animated": Owen im Disney-Club; © Life Animated Documentary Productions LLC
Owen im Disney-Club; © Life Animated Documentary Productions LLC

Die Eltern versuchen das Beste daraus zu machen, lassen ihm das, was er am meisten liebt: Disney-Filme gucken. Hier in dieser Welt von Peter Pan fühlt Owen sich sicher. Welche Bedeutung diese Filme haben, ahnen die Eltern da noch nicht. Erst Jahre später, da ist Owen sieben, entdeckt der Vater durch einen Zufall, dass sein Sohn sehr wohl sprechen kann: die ganzen Dialoge problemlos herunterbetet.

Disney also wird zu dem Schlüssel, Zugang zu Owens Welt zu finden. Denn hier ist alles klar aufgeteilt. Es gibt die Bösen und es gibt die Guten, die Helden. Und dann gibt es die sogenannten "Sidekicks", die Freunde der Helden. Mit ihnen identifiziert Owen sich.

Gespräche mit der Familie

Im Mittelpunkt des Films stehen die Gespräche mit der Familie. Hier beeindruckt v.a. der Vater, der als Pulitzer-Preisträger und Journalist über die Geschichte von Owen ein Buch geschrieben hat, das die Grundlage dieser Dokumentation ist. Ihm gelingt es, sich vor der Kamera manchmal völlig zu vergessen, z.B. wenn er die erste Kontaktaufnahme mit Owen schildert.

Wir sehen Super 8-Aufnahmen des kleinen Owen, der mit seinem großen Bruder und den Eltern spielt, erleben den Break mit 3 Jahren. Was diesen Film künstlerisch so ansprechend und besonders macht, sind Animationen, die auf Zeichnungen von Owen basieren. Dazu verdeutlichen Geräusch-Collagen, die Schwierigkeiten Owens, sein Umfeld zu filtern.

Neben der sehr ambitionierten Umsetzung dieser ungewöhnlichen Coming Of Age-Geschichte, die Owen beim Erwachsenwerden begleitet, überzeugt "Life, Animated" als Porträt einer Familie, die tiefstes Vertrauen prägt.

Christine Deggau, kulturradio

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