"Ein Chanson für Dich"
Bild: Alamode Film/Fabrizio Maltese

Romanze - "Ein Chanson für Dich"

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Isabelle Huppert zählt sicher zu den gefragtesten Schauspielerinnen Frankreichs. Nachdem man sie zuletzt als Kriegsfotografin, Philosophieprofessorin oder als Vertreterin der Oberschicht in "Elle" erlebt hat, spielt sie nun eine Frau aus der Unterschicht. In "Ein Chanson für Dich" des belgischen Regisseurs Bavo Defurne.

Für Defurne ist es sein zweiter großer Film und dass er da die Huppert für die Hauptrolle gewinnen konnte, lässt vermuten, dass die Schauspielerin in diesem Film eine Chance witterte, endlich mal andere Facetten zeigen zu können, als in ihren letzten Filmen. Wie zuletzt in dem Drama "Elle" von Paul Verhoeven, in dem sie eine vergewaltigte Frau spielt, die auf sehr spezielle Art auf Rache sinnt. Da stand das Kalte, Zerstörerische und auch das Zerstörte der Figur im Vordergrund. "Ein Chanson für Dich" ist dagegen ein leichtes Melodram mit einer entwicklungsfähigen Hauptfigur.

"Ein Chanson für Dich"
©Alamode Film/Fabrizio Maltese

Sie lässt sich verführen

Liliane war vor Jahrzehnten einmal LAURA, die Hoffnungsträgerin Frankreichs im GRAND PRIX EUROVISION DE CHANSON. 1984 trat sie an und verlor: gegen ABBA. So will es das Drehbuch. Danach verschwand Laura in der Versenkung, niemand hörte mehr von ihr. Heute steht sie in der Fabrik und garniert Pasteten. Abends sitzt sie allein zuhause vorm Fernseher und trinkt ihren Whiskey. Unerkannt und einsam.

All das ändert sich, als ein Aushilfskollege die Fabrik betritt und sie sofort erkennt. Nachdem sie zunächst behauptet, nicht Laura zu sein, lässt sie sich dann doch verführen: vom Charme des jungen Kollegen, seiner Beharrlichkeit und irgendwann auch von seiner Liebe: sie beginnt wieder zu singen. Regisseur Bavo Defurne gibt hier übrigens sein Debut als Songwriter...

"Ein Chanson für Dich"
Alamode Film/Fabrizio Maltese | Bild: Alamode Film/Fabrizio Maltese

Vergnügen für die Zuschauer

Auf den ersten Blick ist es eine eher ungewöhnliche Rolle für Isabelle Huppert: am unteren Ende der sozialen Hierarchie ein Dasein als Fabrikarbeiterin zu fristen. Doch nachdem sie als graues Mäuschen wachgeküsst wird, überzeugt sie schnell wieder als rätselhafte Schönheit. Ist die Geschichte eigentlich eher banal, entgleitet sie doch keinmal ins Kitschige oder allzu Melodramatische. Als aufmerksamer Regisseur legt Defurne zudem großen Wert auf Ausstattung oder auch kleine Nebenschauplätze – was dem Zuschauer durchaus Vergnügen bereitet.

Christine Deggau, kulturradio

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