"David Lynch - The Art Life", © NFP Marketing& Distribution
Bild: NFP Marketing& Distribution

Dokumentation - "David Lynch - The Art Life"

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Es ist gar nicht leicht, zu entscheiden, welcher Film nun der bedeutendste war, den David Lynch in seinem Leben als Regisseur gedreht hat: "Eraserhead", "Mullholland Drive", "Blue Velvet" oder "Twin Peaks", die Mysterie-Serie aus den 90ern, die auch in ihrer Neuauflage 2017 viele begeisterte. Klar ist: David Lynch ist ein überaus eigenwilliger Regisseur, der Maßstäbe gesetzt hat. Wer mehr über ihn wissen möchte, hat jetzt die Chance dazu. Morgen nämlich kommt die Dokumentation "David Lynch - The Art Life" in unsere Kinos.

Portrait ohne Filmszenen

Wer allerdings einen Rückblick auf sein filmisches Oevre erwartet, wird enttäuscht werden. Dieser Film kommt ohne einzige Filmszene aus den bekannten Filmen Lynchs aus. Was wir sehen, ist ein Künstlerportrait, das sich vor allem der zweiten Könnerschaft des heute 71jährigen widmet, der Malerei. Wie ihn diese Leidenschaft zum Film führte, das erschließt sich langsam aus den Erzählungen Lynchs, der in diesen 90 Minuten auf sein Leben zurückblickt, von seiner Kindheit bis auf die Jahre als junger Erwachsener, in denen er versucht seinen Weg zu finden.

"David Lynch - The Art Life", © NFP Marketing& Distribution
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Der Start in der amerikanischen Provinz

Aufgewachsen in der amerikanischen Provinz, beschreibt er seine Kindheit als sehr glücklich und licht beschreibt. Dazwischen gibt es kleine Ereignisse an die er sich vage erinnert: Wie eine nackte Frau mit blutverschmiertem Mund eines Abend die Straße entlang läuft, als er gerade vom Spielen nach Hause kommt. Ein Gewaltverbrechen? Lynchs Erinnerung weiß es nicht zu beantworten. Als die Familie aus beruflichen Gründen umziehen muss, beginnen für den Jugendlichen düstere Jahre: Alkohol, Drogen, Abstürze und Streit mit den sehr geliebten Eltern. Wie eine Erlösung ist es dann, als er den Vater eines Freundes kennenlernte, der Maler ist. David Lynch beschließt, auch diesen Weg zu gehen und Künstler zu werden. Er wusste, sagt er einmal, dass seine Bilder grottig waren, doch irgendwie musste er dadurch, um seinen Stil zu finden. Von da aus war es dann gar nicht mehr so weit zum Film. Er bekommt ein Stipendium, wird Regisseur. Der bildenden Kunst aber bleibt er immer verbunden.

"David Lynch - The Art Life", © NFP Marketing& Distribution
©NFP Marketing& Distribution | Bild: NFP Marketing& Distribution

Niemand außer David Lynch kommt hier zu Wort. Es ist allein sein Blick auf seine Welt. Er ist immer alleine im Bild, nie in Kontakt mit anderen – bis auf seine kleine Tochter Lula, der der Film auch gewidmet ist, und die ihrem Vater im Atelier sozusagen "beisteht". Wir sehen zu bei der Entstehung großformatiger abstrakter Bilder, wie er hämmert und sägt, im Matsch wühlt, in die Farbe eintaucht. Über diesen Aktionen sowie Kinderfotos, Super 8-Aufnahmen und den ersten filmischen Gehversuchen liegt Lynchs Stimme: langsam und bedächtig, humorvoll, sympathisch. Die Erinnerungen reichen bis zu seinem ersten großen Erfolg "Eraserhead". Da endet diese Dokumentation.

Woher das Düstere, Gewaltsame in seinen Filmen herrührt, dafür gibt es keine eindeutige Antwort. Seine diffuse Angst, die ihn lange begleitet, bis er in das sonnige Kalifornien zieht, seine Vorliebe für die Farbe Schwarz, die Lust Insekten und Tiere zu sezieren – all das erklärt sich eher aus seinem Wesen als aus irgendwelchen einschneidenden Erlebnissen. Lynch hat eine Forscherseele, er will den Dingen auf den Grund gehen – das tut weh. In seiner Kunst und in seinen Filmen.

Christine Deggau, kulturradio

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