"Die Herberge zum Drachentor" © Taiwan Film Institut/ Rapid Eye Movies
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Kampfkunstfilme - "Ein Hauch von Zen" und "Die Herberge zum Drachentor"

Bewertung:

Die Filme des chinesischen Regisseurs King Hu haben asiatische Regisseure wie Ang Lee und Zhang Yimou aber auch Amerikaner wie Quentin Tarantino inspiriert. Es sind explosive Martial Arts Action-Filme und zugleich lyrische Filmgedichte. Jetzt gibt es die Gelegenheit, zwei dieser grandiosen Filme im Kino zu sehen.

Der kleine Filmverleih Rapid Eye Movie bringt zwei der Meisterwerke dieses Regisseurs als Wiederaufführung ins Kino. Und weil sie aufwendig im hochauflösenden 4K restauriert wurden, erstrahlen sie in völlig neuem Glanz. Diese Filme gehören dem sogenannten Wuxia-Genre an, was übersetzt "Helden der Kampfkunst" heißt und ein Genre umschreibt, das sich in China in mehreren Kunstformen der Populärkultur ausbreitet, es kommt in der Literatur vor, im Comic, in Fernsehserien und Filmen.

Angesiedelt sind die Geschichten in der Regel in einer fiktiven Historie, die nicht realistisch rekonstruiert, sondern mythisch überhöht und von Literatur und Legenden gespeist wird. In der Regel kämpfen Angehörige unterer Klassen als Kreuzung von edlem Ritter und Revolverhelden und häufig auch Frauen gegen Geheimdienste und Krieger der Regierung für das Gute.

"Die Herberge zum Drachentor" © Taiwan Film Institut/ Rapid Eye Movies
"Die Herberge zum Drachentor" © Taiwan Film Institut/ Rapid Eye Movies

King Hu setzt Kampfkunst elegant in Szene

Der vor 20 Jahren gestorbene King Hu ist ein chinesischer Regisseur, der in den sechziger Jahren eine neue Ästhetik für die Kampfakrobatik- und Schwertkampf-Filme entwickelt hat. Er kreuzte den Ehrenkodex japanischer Samurai Filme mit den Schnitttechniken amerikanischer Western und chinesischer Philosophie. Vor allem hat er die Kampfkunst sehr viel eleganter, fließender und akrobatischer in Szene gesetzt, indem er die Kämpfer etwa mit Hilfe von Drähten schwerelos und durch den Schnitt zusätzlich beschleunigt durch den Raum fliegen ließ. Von Film zu Film hat er an der Vervollkommnung dieser komplizierten Kampfchoreografien gefeilt, und Elemente von Pekingoper und Tanz eingearbeitet.

"Die Herberge zum Drachentor"

Der Film spielt fast ausschließlich in der titelgebenden kleinen Schenke auf dem Land, ein atmosphärischer Ort mit vielen Nischen aus altem, mit der Patina der Jahre überzogenem Holz. Wie häufig in diesen Filmen wurde ein Mann von der Regierung der Eunuchen in der Ming Dynastie als Hochverräter hingerichtet und nun werden auch seine Familienangehörigen verfolgt werden.

Verschiedene Parteien von Bürgern, Rebellen und Regierungsgegnern versuchen diesen Kindern zu helfen. Das lose Handlungsgerüst ist kaum mehr als  ein Vorwand für den Belagerungszustand und verschiedene, raffinierte Kampfsituationen, in denen ein schweigsamer Einzelgänger Messer oder Pfeile auch mal mit der Hand oder zwei Stäbchen abfängt und gleich wieder zurückkatapultiert.

"Ein Hauch von Zen" © Taiwan Film Institut/ Rapid Eye Movies
"Ein Hauch von Zen" © Taiwan Film Institut/ Rapid Eye Movies | Bild: Taiwan Film Institut/ Rapid Eye Movies

"Ein Hauch von Zen"

Das große Meisterwerk von King Hu ist der erste chinesische Film, der im Wettbewerb des Festivals von Cannes ausgezeichnet wurde. "Ein Hauch von Zen" liegt da tatsächlich über allen Bildern, in einem Film, der sich viel Zeit nimmt, um die Atmosphäre des Ortes zu etablieren und dann ausgehend von einem kleinen Bergdorf atemberaubende Landschaften zu erkunden, mit malerischen Kalkfelsen, mit Bambus- und Birkenwäldchen, in denen sich Lichtstrahlen und Nebelschwaden brechen, mit dunstigen Nebel- und Rauchwolken über silbrig schimmernden Gräsern und alten Bäumen mit knorrigen Ästen.

Ähnlich wie in "Die Herberge zum Drachentor" geht es darum, dass ein Verräter hingerichtet wurde und eine junge Frau aus seiner Familie von Regierungstruppen gejagt wird, in diesem Fall nicht als Belagerung erzählt, sondern als Road Movie. Der selbst sehr wehrhaften jungen Dame kommen verschiedene Parteien zu Hilfe, unter anderem die Mönche in einem abgelegenen Kloster in den Bergen und ein Privatgelehrter und Maler, der sich in sie verliebt.

Immer noch frisch und modern

Wo "Die Herberge zum Drachentor" manchmal noch unruhig und sprunghaft wirkt, hat die episch über drei Stunden laufende Erzählung von "Ein Hauch von Zen" einen weichen Fluss. Akrobatische Kampfballette konkurrieren mit der Schönheit der Landschaften, Geräusche aus der Natur gehen fließend in Trommel-Rhythmen über. In gestochen scharfen restaurierten Bildern wirkt dieses lyrische Meisterwerk des Kampfkunstkinos auch 50 Jahre nach seiner Entstehung noch frisch und modern.

Anke Sterneborg, kulturradio

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