Kinostart "Victoria und Abdul" , Bild: Peter Mountain / Focus Features/Universal Picture/dpa
Kinostart "Victoria und Abdul" | Bild: Universal Picture/Peter Mountain/dpa

Drama - "Victoria & Abdul"

Bewertung:

Es gibt Geschichten, von denen man nicht genug bekommt. Zum Beispiel ist das, was sich hinter den Gemäuern der britischen Royals abspielt, bis heute von großem Interesse. Auch bei denen, die gar keine Monarchisten sind.

Der britische Regisseur Stephen Frears ist einer, der es versteht, die Royals von ihrem überirdischen Podest zu heben. Das hat er schon 2006 in "Die Queen" mit Helen Mirren gezeigt. Auch in seinem neuen Film wendet er sich dem Sujet der "Königinmutter" zu. Diesmal aber greift er weiter zurück. Es geht um Victoria, die Ur-Ur-Großmutter Elisabeths.

Man schreibt das Jahr 1887. Der Hof und auch ihr Sohn warten auf Victorias Tod, denn sie ist eine alte verbiesterte, einsame und übergewichtige und vor allem zu Tode gelangweilte Dame, die sich an nichts mehr erfreuen kann. Bis sie ihrem indischen Untertan Abdul begegnet.

Ein Blick, der alles verändert

Extra nach England verschifft, um der Kaiserin von Indien anlässlich ihres Thronjubiläums eine besondere Münze aus der Kronkolonie zu überreichen, macht Abdul in dem Moment der Übergabe genau das, was Untergebenen strengstens untersagt ist: Er sieht Victoria an. Sie guckt zurück.

Ein Blick, der alles verändert. Victoria wird zu neuem Leben erweckt. Sie beschließt Hindi zu lernen, will Indien verstehen, essen, was Abdul isst: Mangos zum Beispiel. Abdul wird ihr bester Freund, dem sie bedingungslos vertraut. Den sie zu ihrem königlichen Berater ernennt, zu ihrem "Munshi", was so viel heißt wie Lehrer – zum blanken Entsetzen des Hofes.

Judi Dench und Ali Fazal in Victoria & Abdul
Judi Dench und Ali Fazal in Victoria & Abdul | Bild: Focus Features/Peter Mountain

Diese Beziehung ist historisch verbürgt. Abdul Karim hat damals ein Tagebuch geführt, das Grundlage für einen Roman war. Der wiederum wurde zur Grundlage für das Drehbuch. Abdul lernte Victoria im Jahr 1887 kennen und blieb ihr bis zu ihrem Tod im Jahr 1901 verbunden. Er selbst ging daraufhin nach Indien zurück und lebte auf dem Land, das Victoria ihm vermacht hatte, bis er 1909 mit 46 Jahren starb.

Judi Dench ist mit ihren 82 Jahren eine der berühmtesten Charakter-Darstellerinnen Großbritanniens und noch immer eine sehr schöne Frau, die ihre Rolle als Victoria mit Würde und viel Humor anlegt, ohne Angst vor Hässlichkeit. Bollywood-Star Ali Fazal als Abdul bleibt da eher blass, was auch dem Drehbuch geschuldet ist.

Es scheint, als habe Stephen Frears sich in diese sehr ungewöhnliche Liebesgeschichte verliebt. Geschichtliche Fakten rücken eher in den Hintergrund. Frears will uns nicht belehren. Er will uns unterhalten. Und das ist ihm über weite Strecken geglückt.

Christine Deggau, kulturradio

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