Happy End, © X-Verleih AG
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Drama - "Happy End"

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Michael Haneke ist der einzige Regisseur, der in Cannes mit zwei aufeinanderfolgenden Filmen die goldene Palme gewonnen hat, mit "Das weiße Band" und "Liebe". Auch sein neuester Film "Happy End" lief auf dem Festival, wurde allerdings nicht ganz so euphorisch aufgenommen wie seine Vorgänger.

Jetzt kommt der mit Isabelle Huppert und Jean-Louis Trintignant prominent besetzte Film bei uns in die Kinos. In seinem letzten Film "Amour" hat sich der kühle Analytiker der Condition Humaine von einer unerwartet warmherzigen Seite gezeigt, auf das titelgebende "Happy End" seines neuen Films sollte man aber doch besser nicht hoffen.

Eine Familie, eine emotionale Verrohung

Die Ereignisse kreisen um drei Generationen der großbürgerlichen, französischen Familie Laurent, die in Calais in einem großen Haushalt zusammenleben. Der Film beginnt im Handyfilm Modus, im schmalen Format eines Smartphone-Bildschirms, durch den die zwölfjährige Eve ihre Umwelt wahrnimmt. Nach einem Selbstmordversuch ihrer Mutter, muss sie in den Haushalt ihres getrennt lebenden Vaters und seiner neuen Familie einziehen, wo sie aber nicht sonderlich warmherzig aufgenommen wird.

Diese emotionale Gleichgültigkeit ist das Grundmotiv, das sich durch alle Ebenen zieht, im intimen Familienverbund ebenso wie in der Außenwelt. Nach einem Unfall auf einer der Baustellen der familiären Baufirma, geht es vor allem um wirtschaftliche Schadensbegrenzung, die von Anwälten kühl und effizient durchgesetzt wird. Die in der Hafenstadt Calais allgegenwärtige Flüchtlingskrise wird als Kulissen-Szenario auf ein weiteres Indiz für die emotionale Verrohung der Familie reduziert. Die formale Strenge lässt die Gefühllosigkeit durch alle Poren des Films dringen und  macht die Figuren visuell zu Gefangenen ihrer selbstverursachten Lage.

Happy End, © X-Verleih AG
Happy End, © X-Verleih AG | Bild: X-Verleih AG

Anknüpfungen an frühere Filme

Auf dezente Weise knüpft der Film an die Familiengeschichte aus "Amour" an, Isabelle Huppert und Jean Louis Trintignant tragen dieseleben Vornamen wie dort, und irgendwann erzählt der lebensmüde Großvater seiner Enkelin, wie er seine geliebte Frau mit einem Kissen von ihrem Leiden erlöste. Doch von der berührenden Wärme dieses Eheverhältnisses in der Pariser Wohnung ist in Calais nichts übrig geblieben. Neben den Stars des Films beeindruckt die zwölfjährige Fantine Harduin, die sich hier in die Tradition der unheimlichen Kinder bei Haneke einreiht, aber im nuancenreichen Ernst ihrer Darstellung schon ein außergewöhnliches Schauspieltalent erkennen lässt.

Happy End, © X-Verleih AG
Happy End, © X-Verleih AG

Statt neue Akzente zu setzen, kompiliert der Film viele der bekannten Haneke-Themen, angefangen mit der emotionalen Verrohung des Menschen im Zusammenhang mit den modernen Medien aus "Bennys Video" oder "Caché" über Sadomasochismus aus "Die Klavierspielerin", Sterbehilfe aus "Amour", Todessehnsucht  aus "Der siebente Kontinent"  bis hin zu den alltäglichen Defiziten einer multiethnischen Gesellschaft in "Code inconnu".

Anke Sterneborg, kulturradio

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