"Tom of Finland", Touko Laaksonen (Pekka Strang); © 2017 Josef Persson/ Helsinki Filmi Oy
Bild: 2017 Josef Persson/ Helsinki Filmi Oy

Biografie - "Tom of Finland"

Bewertung:

Die Geschichte des Tom of Finland ist eine universelle und verdient ein möglichst breites Publikum.

Lack, Leder, dicke Muskeln und große Penisse – die homoerotischen Fantasien des Zeichners Tom of Finland sind berühmt und hängen in Museen auf der ganzen Welt. Doch der Weg hin zu dieser Anerkennung war lang und mühsam. Dome Karukoskis Filmbiografie "Tom of Finland" erzählt die Geschichte eines künstlerischen Coming Outs von ihren Anfängen im Finnland der Nachkriegszeit bis zur "Gay Revolution" im Kalifornien der 70er und 80er Jahre.

Zeichnungen als Ventil

Abgekämpft und traumatisiert kehrt Touko Laaksonen (Pekka Strang) aus dem finnisch-russischen Winterkrieg in seine Heimatstadt im Süden Finnlands zurück. Für Menschen wie ihn ist kein Platz in der prüden finnischen Nachkriegsgesellschaft. Ein wenig Zärtlichkeit findet er nur bei Dunkelheit im Park, wo sich die Homosexuellen vor den Nachstellungen der Polizei verstecken müssen.

Selbst gegenüber seiner Schwester Kaija (Jessica Grabowsky) kann sich Laaksonen nicht outen. Sie darf nichts wissen von seiner Liebe zu dem Tänzer Veli (Lauri Tilkanen). Einziges Ventil für seine Sehnsüchte sind die Zeichnungen, die der gelernte Werbegrafiker heimlich in seiner Freizeit anfertigt: explizite Schwarzweiß-Bilder von Matrosen, Soldaten und Polizisten mit dicken Muskeln und großen Schwänzen.

"Tom of Finland"; © 2017 Josef Persson/ Helsinki Filmi Oy
Kunst von Tom of Finland; © 2017 Josef Persson/ Helsinki Filmi Oy

Späte Ehrenrettung

Seit ihrer ersten Veröffentlichung Ende der 50er Jahre in den USA ist über die Bilder von Tom of Finland gestritten worden. Die einen sahen in ihnen verabscheuungswürdige Pornografie, die anderen das Symbol eines neuen schwulen Selbstverständnisses, das sich nicht mehr in Hinterzimmern und illegalen Kellerbars versteckt, sondern offen und stolz zur Schau getragen wird. Wenn nun ein finnischer Regisseur einen Film über Tom of Finland macht, ist dies eine späte Ehrenrettung für den Mann, der 1991 an den Komplikationen einer Krebserkrankung gestorben ist.

Karukoski hat sich dabei für einen relativ konventionellen Erzählstil entschieden. In Rückblenden folgt er seinem Protagonisten durch die Jahre der Klandestinität und der Erniedrigung bis hin zu dessen künstlerischen Durchbruch im Kalifornien der 70er Jahre. Hier wird Laaksonen – oder "Tom of Finland", wie er sich mittlerweile nennt – gefeiert als Vorbote einer neuen, hedonistischen Ordnung.

Doch selbst bei den kalifornischen Orgien am Pool verzichtet Karukoski bewusst auf allzu explizite, pornografische Bilder – nicht zuletzt, um den Film auch nicht-schwulen Zuschauern zugänglich zu machen. Eine gute Entscheidung, denn die Geschichte des Tom of Finland ist eine universelle und verdient ein möglichst breites Publikum.

Carsten Beyer, kulturradio

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