Vorwärts immer
Bild: DCM Filmdistribution; © BELLA

Thriller - "Vorwärts immer"

Bewertung:

Eine Verwechslungskomödie, die 1989 in der DDR spielt und in deren Mittelpunkt Erich Honecker steht  - es gibt einiges, das auf den ersten Blick gegen diese Komödie sprechen könnte.

Dass Komödien über den Osten sich überholt haben zum Beispiel, dass es wichtigere Themen gibt, die uns heute bewegen. Und dass über den Herbst 1989 alles erzählt ist. Genauso wie über Honecker alles gesagt ist. Auf den zweiten Blick aber gibt es mindestens ebenso viele Gründe, die dafür sprechen!

Vor allem der Mut, diese Geschichte heute so zu erzählen und darauf zu vertrauen, dass sie funktionieren wird: dass der Zuschauer lacht. Denn schon der Plot an sich ist vollkommen absurd: Da proben Staatsschauspieler heimlich ein Theaterstück, das die Partei- und Staatsführung der DDR auf die Schippe nimmt. Hinter der Bühne ist keiner von ihnen frei von Eitelkeiten, es gibt Konkurrenz und Eifersüchteleien, es gibt einen Spitzel, es gibt die Stasi.

Das ist das Umfeld, vor dem sich die familiäre Katastrophe des Honecker-Darstellers Otto Wolf, gespielt von Jörg Schüttauf, abspielt: seine Tochter nämlich will rüber in den Westen. Um das zu verhindern, sie "zu schützen“, wie er sagt, zerreißt er ihren Pass - sie muss sich einen neuen besorgen, den aber gibt’s nur in Leipzig. Da sind die Demonstrationen und Honecker hat Schießbefehl für den Abend gegeben. Da beschließt der Honecker-Mime, in die Rolle des Staatssekretärs zu schlüpfen und irgendwie zu versuchen, den Schießbefehl rückgängig zu machen.

Vorwärts Immer
DCM Filmdistributions; © Nadja Klier | Bild: DCM Filmdistributions; © Nadja Klier

Warum der Schießbefehl nicht umgesetzt wurde

Das ist nicht nur ein Drehbuch-Einfall, denn diesen Schießbefehl im Oktober 1989 gab es wirklich. Und bis heute weiß niemand so genau, warum bei der großen Demo, zu der 70.000 Menschen kamen, dann doch nicht geschossen wurde. Die Überlegung, "warum nicht?“ ist die Grundidee dieser Geschichte. Und es ist ein wunderbarer Drehbuch-Einfall, einen liebenden Vater und Schauspieler vorzuschicken, der unter Einsatz seines Lebens versucht, in die Historie einzugreifen, sie zum Guten zu lenken. Dabei ist er ständig irgendwelchen Unwägbarkeiten ausgesetzt: die falsche Tür zu nehmen, jemanden nicht zu erkennen, Margot oder gar dem echten Honecker selbst zu begegnen – was dann ja auch geschieht...

Jörg Schüttauf spielt Honecker als ein altes kurzatmiges Männchen mit nervöser, hoher Stimme, der sich in Endlossätzen ergeht, ein bisschen begriffsstutzig aber ganz ernst bei der Sache. Schüttauf nimmt die Figur bei aller Lächerlichkeit ernst. Genauso wie der Film auch. Und wie übrigens alle Schauspieler, die zum Teil verblüffende Ähnlichkeiten mit ihren "Vorlagen“ aufweisen.

Vorwärts Immer
DCM Filmdistributions; © Nadja Klier

Eine Komödie à la Lubitsch und Wilder

Es ist nicht einfach, heute so eine Geschichte zu erzählen. Umso bemerkenswerter ist es, wie klug und feinfühlig Franziska Weletzky die Fallhöhe von historischer Vorlage und Komödienstoff gemeistert hat. Ich finde, sie darf sich durchaus mit den ganz Großen wie Lubitsch oder Billy Wilder messen. Lange nicht so gelacht im Kino.

Christine Deggau, kulturradio

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