"Mathilde"; © Kinostar Filmverleih/V. Sevastynov
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Historien-Drama - "Mathilde"

Bewertung:

"Mathilde" ist ein Film für "Sissi"- Fans, für Freunde des kitschig-üppigen Kostümfilms. Die Bilder sind großartig, die Schauspieler achtbar - was fehlt?

Ein Regisseur, dessen Film-Studio mit Molotow-Cocktails beworfen wird, ein Hauptdarsteller, der gar nicht erst zur Premiere anreist, weil er Angst hat vor aufgebrachten Demonstranten, und Kinos im Moskau und St. Petersburg, die nur unter Polizeischutz betreten werden können: Aleksey Uchitels Historien-Drama "Mathilde" hat für einen Skandal gesorgt – und für eine erregte Diskussion über die Frage, wieviel Kunstfreiheit in Putin's Russland noch möglich ist.

Roantisch & manchmal kitschig

Man hat diesem Film vorgeworfen, er beschädige das Ansehen eines Heiligen, er sei unsittlich und verletze religiöse Gefühle. Nichts davon ist wahr. Mathilde ist ein opulenter, romantischer, manchmal auch ein bisschen kitschiger Historienfilm mit zwei großartigen Hauptdarstellern: Zarejwitsch Nikolaus (Lars Eidinger) wird als Thronerbe Russlands von den schönsten Frauen des Landes angehimmelt – doch seine Aufmerksamkeit gilt nur der schönen und ehrgeizigen Primaballerina Mathilde Kshesinskaja (Michalina Olszanska). Am Zarenhof wird die Romanze gar nicht gerne gesehen, schließlich ist Mathilde in den Augen der herrschenden Klasse keine standesgemäße Partie. Das muss schließlich auch Nikolaus schmerzlich akzeptieren. Als sein Vater Zar Alexander III (Sergey Garmash) im Sterben liegt, wird Nikolaus in die Vernunftsehe mit der deutschen Prinzessin Alix von Hessen (Luise Wolfram) gedrängt. Doch seine Mathilde kann er nicht vergessen …

"Mathilde"; © Kinostar Filmverleih/V. Sevastynov
"Mathilde", © Kinostar Filmverleih/V. Sevastynov | Bild: Kinostar Filmverleih/V. Sevastynov

Austatterische Opulenz

Mangelnde inhaltliche Spannung wird von Regisseur Uchitel durch austatterische Opulenz wettgemacht. In den Massenszenen der Krönung Nikolaus II. lässt er die Pracht des untergegangenen Zarenreichs noch einmal aufleben und wenn Mathilde Kschesinskaja im Mariinski- Theater tanzt, fliegen die Tutus, dass es eine wahre Freude ist. An manchen Stellen hat Uchitel aber auch ein bisschen zu dick aufgetragen: Bei den Liebesszenen zwischen Nikolaus und Mathilde hat man das Gefühl, die Drehbuchautoren haben sich vom üppigen Ambiente der Kulissen mitreissen lassen.

"Mathilde"; © Kinostar Filmverleih/V. Sevastynov
"Mathilde", © Kinostar Filmverleih/V. Sevastynov

Schnell vergessen

"Mathilde" ist ein Film für "Sissi"- Fans, für Freunde des kitschig-üppigen Kostümfilms. Die Bilder sind großartig, die Schauspieler achtbar - was fehlt, ist eine Botschaft, eine Vision über die eigentliche Geschichte hinaus. So ist "Mathilde" eher wie eine große bunte Praline, die man mit Genuss verzehrt, danach aber auch ganz schnell wieder vergisst.

Carsten Beyer, kulturradio

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