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Drama - "Sommerhäuser"

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Ein ausgesprochen beindruckendes, zugleich sommerluftiges und unheimliches Filmdebüt!

Premiere hatte "Sommerhäuser", der Debütfilm von Sonja Maria Kröner, passenderweise im Sommer auf dem Münchner Filmfest, wo er bereits mit zwei Preisen ausgezeichnet wurde, für beste Regie und beste Produktion. Jetzt kommt er im Herbst bei uns in die Kinos  und verbreitet möglicherweise noch ein bisschen Sommerflair.

Ferien auf begrenztem Raum

Sommerferien in den siebziger Jahren in einer bayerischen Schrebergarten-Siedlung: Das ist natürlich längst nicht so idyllisch, wie es klingt. Wenn drei Generationen einer Familie die Ferien auf begrenztem Raum miteinander verbringen, dann kochen bald lange schwelende Streitigkeiten hoch. Als Zuschauer kommt man mit dem Ehepaar Eva (Laura Tonke) und Bernd (Thomas Loibl) und ihre beiden Kinder Jana und Lorenz im Garten an. Dort sind bereits Bernds Eltern Erich (Günther Maria Halmer) und Frieda, Erichs Schwestern Mathilde und Ilse (Ursula Werner) und Bernds Schwester Gitti (Mavie Hörbiger), die kapriziöse, alleinerziehende Mutter des kleinsten Kindes Inga.

Sommerhäuser, © PROKINO
Sommerhäuser, © PROKINO | Bild: PROKINO

Gewitterstimmung

Im brütend heißen Sommer 1976 heizen einschneidende Ereignisse die angespannte Stimmung zusätzlich an: Die Oma, in deren Haus und Garten sich alle treffen, ist gerade gestorben, womit sich bald Erbstreitigkeiten anbahnen. Als sich dann auch noch herumspricht, dass in der Gegend ein kleines Mädchen verschwunden ist, wird das fein gewebte Familiendrama von Krimielementen unterwandert, in einer Stimmung, in der immer ein Gewitter in der Luft zu liegen scheint.

Sommerhäuser, © PROKINO
Sommerhäuser, © PROKINO

Liebevolle Rekonstruktion des Zeitkolorits

Ein großer Teil der Faszination des Films rührt von der fast gespenstisch liebevollen Rekonstruktion des Zeitkolorits. Im dunstig gedämpften Licht muten die Szenerien immer wieder wie verblichene Fotos aus den Siebzigern an. Die latente Bedrohung der Idylle schlägt sich in einem Sounddesign nieder, das aus Naturgeräuschen wie Bienengesumm, Blätterrauschen, Donnergrollen und Kindergelächter komponiert ist.

Die Regisseurin ist erst 1979 geboren. Doch obwohl sie diese Kindheit nicht erlebt hat, wurzelt ihre Geschichte in ihren sehr persönlichen Kindheitserinnerungen. Die ihr vertrauten Konstellationen, mit Geburtstagsfesten im Garten, dem Kaffeetrinken mit den Großtanten und einem Baumhaus hat sie mit fiktiven Konflikten angereichert. Dank einfühlsamen Konstellations-Castings verbinden sich viele bekannte Schauspieler glaubhaft zum familiären Ensemble. Alles in allem ein ausgesprochen beindruckendes, zugleich sommerluftiges und unheimliches Filmdebüt!

Anke Sterneborg, kulturradio

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