Mord im Orient-Express; © 2017 Twentieth Century Fox
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Spannung - "Mord im Orient-Express"

Bewertung:

Kenneth Branagh inszeniert ein illustres Ensemble auf der Bühne eines Zuges.

Der luxuriöse Orientexpress bleibt auf dem Weg von Istanbul nach Wien im Schnee stecken, ein Mann wird ermordet in seinem Abteil gefunden, und der an Bord befindliche Meisterdetektiv Hercule Poirot nutzt die Kammerspiel-Situation, um den Mord aufzuklären: Agatha Christie hat ihren wohl berühmtesten Detektivroman schon 1934 geschrieben, immerhin 40 Jahre hat es gedauert bis er zum ersten Mal verfilmt wurde, von Sidney Lumet, der damit immerhin auf 6 Oscar-Nominierungen kam.

Nach diversen Fernsehmehrteilern, hat sich nun auch Kenneth Branagh des Klassikers angenommen, der einen luxuriösen Schauplatz, der sich durch die verschneite Landschaft bewegt mit einer außergewöhnlichen Konzentration von Menschen und ihren Schicksalen auf engstem Raum verbindet, zugespitzt durch das Geheimnis eines Mordes. Auf den Spuren von Agatha Christie konnte sich Branagh in das Drama und die Psychologie einarbeiten und zugleich als Theatermensch mit einem illustren Ensemble auf der Bühne des Zuges arbeiten.

Mord im Orient-Express; © 2017 Twentieth Century Fox
Mord im Orient-Express; © Twentieth Century Fox

Dynamisierte Handlung, grandiose Kamerafahrten

Dabei hat er die Handlung visuell dynamisiert, mit grandiosen Kamerafahrten, die den sich durch die Landschaft schlängelnden Zug immer wieder von weit oben und entfernt zeigen, um dann wieder ganz nah heranzugehen und den Rhythmus der Räder aufzunehmen. Auch im Zug sorgt eine agile Handkamera dafür,  dass die Enge des Raums die Erzählung beflügelt. Obwohl der Film im Glamour vergangener Zeiten schwelgt, wirkt er keineswegs angestaubt und steif, wozu auch beiträgt, dass die ersten Szenen in der wuselnden orientalischen Metropole Istanbul spielt, auf historischen Plätzen, an der Klagemauer und in dem auch heute noch imposant schönen Bahnhof. Verstärkt wird der Augenschmaus durch die volle Pracht des 70mm-Materials, ein luxuriöses Format, das hier nach "Dunkirk" schon zum zweiten Mal in diesem Jahr zum Einsatz kommt.

Mord im Orient-Express; © 2017 Twentieth Century Fox
Mord im Orient-Express; © Twentieth Century Fox | Bild: Twentieth Century Fox

Wie schon die erste Verfilmung von Agatha Christies Kriminalroman ist auch diese außerordentlich prominent besetzt. Das eine Mordopfer und die 12 Mordverdächtigen im Zugabteil werden von ganz unterschiedlichen Schauspieltemperamenten gespielt. Judi Dench, die Grande Dame des britischen Kinos, hat ein enormes Vergnügen mit ihrer bissigen, alten schlecht gelaunten, russischen Prinzessin. Johnny Depp spielt den Gangster, der im Zug stirbt, mit großer Lust an der dramatischen Übertreibung.

Derek Jacobi bringt als Butler des Mordopfers ein klassisches Element vergangener Zeiten mit und Michelle Pfeiffer und Daisy Ridley brillieren mit verruchtem Glamour. Und Kenneth Branagh, der nicht nur die Regie des Films sondern als Schauspieler auch die Regie des Falls übernommen hat, erweist sich als würdiger Nachfolger von Peter Ustinov und Albert Finney. Mit offensichtlichem Spaß zelebriert er diesen ausgekochten aber auch süffisant komischen Detektiv, mit einem wahrhaft imposanten Schnauzbart, den er selbst als Gesichtsmöbel bezeichnet hat. Alles in allem ist "Mord im Orientexpress" ein geradezu berauschender Film, der die berühmte Vorlage erfolgreich ins Hier und Jetzt überträgt, ohne den altmodischen Charme des Originals zu verraten.

Anke Sterneborg, kulturradio

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