Die lebenden reparieren © Wild Bunch Germany
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Drama - "Die Lebenden reparieren"

Bewertung:

Im engen Rahmen von 24 Stunden versöhnt der Film den verstörend nüchternen Pragmatismus der Chirurgen mit den rohen Gefühlen der Betroffenen und den spirituellen und philosophischen Fragen des Lebens.

In ihrem letzten Film, "Die unerschütterliche Liebe der Suzanne" hat die französische Regisseurin Katell Quillévéré die bewegte Lebensgeschichte einer Teenager-Mutter über einen weiten Bogen von zwei Jahrzehnten hinweg entfaltet. Im Kontrast dazu kreist ihr neuer Film "Die Lebenden reparieren" um einen eng gesteckten Zeitraum von 24 Stunden. Den Titel "Die Lebenden reparieren" muss man dabei ganz wörtlich nehmen, denn basierend  auf dem gleichnamigen Roman von Maylis de Kernangal geht es um Organtransplantation.

Zunächst stürzt sich der Film ganz impulsiv ins Leben, zusammen mit dem 19jährigen Simon, am frühen Morgen, im Dunkel der Nacht,  ab durchs Fenster, auf dem Fahrrad durch die Straßen von Le Havre, im Auto zur Küste, auf dem Surfbrett im Meer.

Der Sturm und Drang dieser ersten Bilder findet ein jähes Ende in einem Autounfall. Kurz darauf erfahren seine Eltern im Krankenhaus, dass ihr Junge hirntot ist. Während sich ein Abgrund vor ihnen öffnet, müssen die Ärzte einen Weg finden, um über Organtransplantation zu sprechen.

Die lebenden reparieren © Wild Bunch Germany

Überzeugendes Plädoyer für die Organspende

Auf der einen Seite die chirurgische Präzision der Ärzte, die wissen, dass die Zeit drängt. Auf der anderen Seite die rohen Gefühle von Familienmitgliedern und Freunden, die Zeit brauchen, um die Ereignisse zu verarbeiten. Hier die Mechanik der Abläufe im Krankenhaus und beim Organtransport, dort tiefgründige Fragen der menschlichen Existenz. Das Thema Organverpflanzung erforscht die studierte Philosophin Katell Quillévéré in seiner ganzen Komplexität, anatomisch, ethisch, emotional, spirituell und philosophisch. Auch visuell verbindet sie das sachlich Dokumentarische mit dem poetisch Sinnlichen. 

Trotz der tragischen Umstände, die zum Teil auch in drastischen Bildern gezeigt werden, ist der  bis in die kleinsten Nebenrollen hervorragend besetzte Film vor allem eine pulsierende, energiegeladene  Hommage an das Leben. Während sich der Roman in erster Linie auf die Spenderfamilie konzentrierte, kommt im Film auch die Empfängerseite ins den Fokus, eine fünfzigjährige Mutter in Paris, die immer schwächer wird, zugleich aber auch mit dem Eingriff hadert. Bis in die kleinen Nebenrollen berührend und intensiv gespielt.

Im engen Rahmen von 24 Stunden versöhnt der Film den verstörend nüchternen Pragmatismus der Chirurgen mit den rohen Gefühlen der Betroffenen und den spirituellen und philosophischen Fragen des Lebens. Darüberhinaus ist er ein überzeugendes Plädoyer für die Organspende. 

Anke Sterneborg, kulturradio

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