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Das Schloss Britz, mit seinen vor kurzem renovierten Nebenbauten, kennen selbst viele Berliner nicht. Mit einem Museum, einem Theater, einer Musikschule und diversen Ausstellungs- und Veranstaltungsräumen ist das denkmalgeschützte Ensemble eine Bereicherung für das Kulturleben Neuköllns. Im Gutshof hat der ehemalige Sternekoch Matthias Buchholz Ende August das Restaurant Buchholz Gutshof Britz eröffnet.
Einfache Gerichte, perfekt zubereitet
Sterneküche gibt es hier nicht, es sei denn, man bestellt extra beim Chef ein Menü von der Art, wie er es zu Zeiten des "First Floor" zauberte. Auf der Standardkarte gibt es bürgerliche, saisonale deutsche Küche, mit traditionellen Gerichten wie z. B. Rinderrouladen mit Rotkohl oder Tafelspitz mit grüner Sauce. Nur, die Gerichte werden hier von Menschen zubereitet, die von der Sterneküche kommen, d. h. mit perfektem Handwerk und großem Wissen darüber, wie man Zutaten wie Fleisch, Fisch oder Gemüse optimal zubereitet und anrichtet.
Ich war an einem Sonntagmittag mit meiner Familie dort, also wir haben aus der normalen Karte bestellt. Abends, von Donnerstag bis Sonntag, gibt es in der oberen Etage, der sog. Gourmet Etage, auch eine teurere Karte. Als Vorspeise hatten wir eine hervorragende Steckrübensuppe und einen Feldsalat mit winzigen Speckwürfelchen und Croutons. Eines der Hauptgerichte war Zander im Kartoffelmantel: cremig zart innen, mit einer dünnen knusprigen Kruste, dazu einige Rote-Bete-Würfel in feiner Senfsauce.
Die andere Hauptspeise, Schweinebauch mit Grünkohl und Salzkartoffeln, war auch sehr gut und gar nicht so deftig, wie es sich anhört. Das magere Fleisch war so zart wie Butter, wahrscheinlich bei niedriger Temperatur gegart, der fette Rand dennoch ganz kross. Das Dessert, ein Apfelragout mit Vanillesauce und Butterstreuseln, war ebenfalls ausgezeichnet, wie auch das hausgemachte Apfel-Wasabi-Eis, das ich mir dazu gewünscht hatte.
Hohe Qualität, moderate Preise
Komplexe Geschmackskombinationen und teure Zutaten sind in dieser Art Küche nicht zu erwarten. Was auf den Tisch kommt sind unkomplizierte, normale Gerichte der regionalen Küche, die aber perfekt und liebevoll zubereitet werden. Dafür sind die Preise der normalen Karte für die Qualität eher günstig: Die Vorspeisen kosten von 4,50 bis 11,00 Euro, die Hauptgerichte von 11,00 bis 15,00 Euro. Möglicherweise ist das vom Bezirksamt Neukölln, das die Gastronomie verpachtet hat, so erwünscht, damit der Ort nicht zu abgehoben wirkt. Jedenfalls war das Lokal an dem Sonntag gut besucht. Es empfiehlt sich also, einen Tisch zu reservieren, denn das Restaurant ist zwar auf zwei Etagen, aber trotzdem klein.
Elisabetta Gaddoni, kulturradio