Restaurant Café: Qbini; Foto: Qbini

Fr 18.11.2011

Geschmackssache

Restaurant Café: "Qbini"

Bewertung: gelungen

In der Schöneberger Goltzstraße gibt es unzählige Cafés und kleine Spezialitätengeschäfte, die Snacks und schnelle Gerichte anbieten. Mitte diesen Jahres hat dort ein Lokal eröffnet, das Sandwiches der besonderen Art anbietet, nämlich mit belegten, gerösteten Brotscheiben. "Qbini" heißt es, in Anlehnung an Cube, englisch für Würfel, und vielleicht auch an "Panini". Dabei handelt es sich nicht wirklich um Brotwürfel: Nur zur Suppen bekommt man eine Art Croutons, und zum Salat kleine Brotsticks. Die "Qbinis" sind viereckige, dickgeschnittene und geröstete Bio-Kastenbrotscheiben, Weiß- oder Vollkorn je nach Variante, die frisch belegt werden, mit verschiedenen Zutaten wie Thunfisch, Tomatensalat und Frischkäse, hausgemachtem Krautsalat, gehobeltem Pastrami und Meerettich, usw.

Knuspriges zum Frühstück und für zwischendurch
Mich hat das Konzept angesprochen, weil ich geröstetes Brot sehr mag: eine knusprige Brotscheibe mit Tomaten, Olivenöl und Salz ist mein Standardsnack, wenn ich zu Hause bin. Das schmeckt gut auch mit dem Brot vom Vortag. In Andalusien essen die Leute oft zum Frühstück in Bars zum Kaffee eine sog. "Tostada", eine geröstete Weißbrotscheibe mit Tomate oder auch nur mit Olivenöl. Das ist billig und viel gesünder als fettige Croissants.

Die "Qbini" sind allerdings alles andere als spartanisch belegt. Die Zutaten werden so hoch auf der Brotscheibe aufgetürmt, dass man diese gar nicht aus der Hand essen kann, sondern vom Teller, mit dem Messer in kleine Stückchen geschnitten.

Ich hatte ein Menü: ein "Qbini" aus geröstetem Weißrot mit "Caesars Salad" und geräuchertem Lachs, dazu eine Karotten-Ingwer-Suppe mit Koriander. Das ganze kostete mit ½ Liter Mineralwasser 9 Euro. Die Suppe war fein zubereitet, aber ich mag Kokosnussmilch nicht so gerne, und hätte sie nicht bestellt, wenn das auf der Karte gestanden hätte. Das ist aber Geschmackssache. Dafür war das belegte Röstbrot sehr gut, der Salat knackig und mit einer sehr guten Körnersenf-Vinaigrette abgeschmeckt, mit fein gehobelten Parmesanstreifen und sehr gutem, mild geräuchertem Lachs "getoppt". Als Nachtisch hatte ich eine Scheibe Apfel-Walnusskuchen, auch quadratisch und auch sehr gut, ausnahmsweise nicht geröstet, dennoch lauwarm...

Perfekte Kaffeekunst
Das Beste war allerdings der Cappuccino, cremig und lauwarm, wie er sein sollte aber meist nicht ist. Der mildaromatische Biokaffee aus Arabica-Bohnen, die schonend bei niedriger Temperatur geröstet werden, stammt aus einer Qualitätsrösterei aus Hamburg. Und auch das Handwerk an der Kaffeemaschine stimmt. Der Inhaber, der am Tresen steht, ist ein junger Gastronom mit internationaler Erfahrung, der auch als Barman gearbeitet hat. Das erklärt auch die lange Cocktailkarte, die man an so einem Ort, der schon um halb sieben schließt, nicht unbedingt erwarten würde. Man merkt, dass man bei den Zutaten auf Qualität setzt, allerdings sind die Preise etwas höher als das, was die Meisten normalerweise für einen Snack oder einen Mittagstisch bereit sind, auszugeben. Ein Qbini kostet ja über 6 Euro, und für den wirklich großen Hunger ist er nicht gedacht. Vielleicht war das modern eingerichtete, sushibar-ähnliche Lokal deswegen an dem Tag ziemlich leer. Die Zeit wird zeigen, ob sich das Konzept trotz der Konkurrenz der benachbarten Läden durchsetzen kann. Das hoffe ich sehr, vor allem wegen des Kaffees!
Elisabetta Gaddoni, kulturradio

© Rundfunk Berlin-Brandenburg

http://www.kulturradio.de/rezensionen/geschmackssache/2011/bistro___qbini_.html

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