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Der Hahn ist tot: alle kennen diesen Kanon aus ihrer Kindheit, ob auf Deutsch oder im Original auf Französisch. Anfang Oktober hat am Zionskirchplatz ein Restaurant eröffnet, das sich gerade diesen Namen gegeben hat. Folgerichtig bietet das Lokal deutsch-französische Küche, u.a. den Klassiker Coq au vin – für den aber wahrscheinlich eher Hühner als Hähne verwendet werden ...
Ansonsten gibt es wechselnde "ländliche Menüs", Vier-Gänge-Menüs zum unwahrscheinlich günstigen Preis von 18,00 Euro! Man fragt sich natürlich, wie das möglich ist, zumal das Restaurant nur abends auf hat und sich das Essen über mehrere Stunden erstreckt. Es dauert sogar ziemlich lange, bis man die Hauptgerichte bekommt: Das zeigt, dass es kein Interesse gibt, die Tische so schnell wie möglich neu zu besetzen!
Der Nachhall der "Weinerei"
Der Standort hat allerdings eine Low-Budget-Tradition, denn bis August gab es dort die Weinerei FraRosa, eines jener Weinlokale mit Wohnzimmeratmosphäre und mit preiswerten, aber guten Weinen. Es gibt einige Dinge, die an die Weinerei erinnern: Man muss sich z. B. die Suppe am Büffet holen und den Salat selbst anrichten. Aber das feine Geschirr, die altmodischen Gläser sowie die freundliche und aufmerksame Bedienung erinnern an feinere Restaurants. Das Essen ist allerdings nur bedingt auf der Höhe des Anspruchs. Die Gerichte sind zwar sehr liebevoll zubereitet und angerichtet, aber meist zu salzig und überwürzt, zu bemüht, schmackhaft zu sein, so dass sie sehr schnell sättigend wirken.
Zu viel Sorge um markanten Geschmack
Es gibt zwar jeden Abend ein einziges Menü, aber mit zwei bzw. vier verschieden kombinierbaren Vorspeisen und Hauptgerichten, dazu Salat und Nachtisch. Die Vorspeise war eine Steckrübensuppe, die gut schmeckte. Alternativ dazu gab es ein Stück Quiche Lorraine, so mickrig, vertrocknet und unansehnlich, dass es auf dem großen Teller völlig deplaziert wirkte.
Der Salat war wiederum ansprechend, ein Mix u.a. aus Rucola, Granatapfelkernen und gerösteten Kürbiskernen. Als Hauptgericht hatte ich Hasenpfeffer in Backpflaumensauce mit Kartoffelpüree und einem hübschen Wirsingtörtchen. Das war gut kombiniert, aber die Pflaumensauce, in der alles schwamm, war dermaßen dominant, dass man nach dem dritten Biss genug davon haben musste. Ich konnte auch das Coq au vin probieren, die Spezialität des Hauses, die man jeden Abend bestellen kann. Das Fleisch war gut, ebenso die Beilagen: Kartoffelgratin und Wurzelgemüse aus dem Ofen.
Als vegetarisches Gericht gab es eine Kartoffel-Steinpilzrolle. Auch sie war aber im Geschmack viel zu intensiv, gerade so, als hätte man zu viele trockene Steinpilzen benutzt. Die viel zu strenge Gruyère-Sauce dazu hat es nicht besser gemacht. Das Dessert war ein kleiner, mit Haselnüssen gefüllter Bratapfel.
Ein Tipp fürs Ausgeh-Volk mit wenig Geld
Mag die Küche auch nicht ganz überzeugend sein, so ist ein derartiges Menü für nur 18,00 Euro dennoch außer Konkurrenz. So ein unkompliziertes und unschlagbar günstiges Angebot spricht vor allem Menschen an, die abends viel unterwegs sind, gerne außerhalb essen und trotzdem aufs Geld achten müssen. Kein Wunder, dass es im Der Hahn ist tot immer voll ist, so dass man lange im Voraus reservieren muss. Es ist daher laut und man sitzt ziemlich eng, wobei das meist für ein Lokal spricht ...
Elisabetta Gaddoni, kulturradio