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Woran erkennt man einen guten Imbiss? Diese Frage wird oft von Speisenden gar nicht gestellt, weshalb viel Zuspruch kein sicheres Indiz sein dürfte. Nach langer Erfahrung kann man jedoch zwei Dinge als gesichert festhalten: So wie ein Kunstrasen vor der Türe ein Emblem von Geschmacklosigkeit ist, sind es vor allem Spuren des Individuellen, Abdrücke einer Persönlichkeit, die wegen einer gewissen Kultiviertheit auf die Qualität von Speisen schließen lassen; die werden ja oft genug im Vorübergehen eingenommen – was wiederum bedeutet, dass sie eigentlich umso eindrucksvoller sein müßten. Sind sie aber meistens nicht, höchstens laut gewürzt und furchtbar fettig.
Der vielleicht beste koreanische Imbiss von Berlin
Direkt gegenüber der katholischen Kirche, die den Winterfeldtplatz bewacht, sind Zeichen auszumachen, die auf sehr charaktervolle Gastgeber schließen lassen. Ein kleiner Raum, der gerade einmal vier Gemeinschaftstischen Platz bietet sowie einem Getränkekühlschrank, ist an allen Wänden tapeziert mit Leinwänden, auf denen in gut lesbarer Handschrift Bibelzitate zu studieren sind. Auch wenn sie in ihrer Textgläubigkeit einen etwas naiven Zugang zu dieser mystischen Bibliothek aus dem Morgenland verraten, bleiben sie ein gutes Zeichen: Sie sprechen für eine Ethik, die es gut meint sowohl mit den Gästen als auch mit den Zutaten der Speisen. Und so ist dieser wohl beste koreanische Imbiß von Berlin mittags wie abends gut gefüllt.
Neben dem Kimchi, eine koreanische Beilage zu allem und jedem aus mit Knoblauch vergorenem, stark mit Sojasauce gewürzten Chinakohl, sind es vor allem hervorragende Variationen des Bibim-Bab, einem Nudel- Eintopf mit Spiegelei beziehungsweise mit Tofu und Gemüse (die vegetarischen Speisen sind hier ohnehin am meisten zu empfehlen) oder verschiedenen Fleischsorten beziehungsweise Meeresfrüchte, und Suppe mit Bohnenpaste und besonders dicken Nudeln, die für die von zwei Damen betriebenen Küche sprechen, während etwa das trockene Chop Suey mit Huhn als bemerkenswert ungelungen bezeichnet werden kann. Dafür ist das bereits am Morgen zubereitete und dann marinierte Fleisch einfach zu zäh. Wer später am Abend zu Gast sein sollte, kann sich zum malzigen Gerstentee noch einen Vortrag über das Leben Jesu anhören.
Thomas Platt, kulturradio