Essen im Restaurant 'Zunftwirtschaft', Foto: Elisabetta Gaddoni

Sa 29.10.2011

Geschmackssache

Restaurant "Zunftwirtschaft"

Bewertung: gelungen

Vor einem Jahr ist die Arminius-Markthalle in Moabit unter dem Namen Zunfthalle und mit einem neuen Konzept wiedereröffnet worden. Neben dem angestammten Angebot gibt es auch hochwertige Lebensmittel und Manufakte. Im Mai eröffnete dort auch ein Restaurant: die Zunftwirtschaft. "Heimatküche" verspricht die Speisekarte. Damit ist nicht die deftige, saucenreiche Berliner Küche von früher gemeint, sondern die Rückbesinnung auf hochwertige Produkte aus der Region.

Traditionelle Gerichte werden mit dem Qualitätsanspruch und mit der Raffinesse interpretiert, die man heute erwartet. Ein Beispiel ist dafür der Märkische Tapas-Teller, mit gemischten Spezialitäten aus dem Berliner Umland, wie feingeschnittenem edlen Speck, Salami, Krakauer vom Schaf, geräucherter Blutwurst, einem Stück Lauchquiche und Kräuterquark – alles liebevoll und appetitlich auf Brotscheiben angerichtet.

Es gibt viele kleine Gerichte wie z. B. gemischten Salat mit überbackenem Ziegenkäse, Quiche, Käseteller und hausgemachten Fleischsalat mit Bratkartoffeln sowie Suppen (zurzeit Kürbiscremesuppe mit Kürbisöl), die man zum Wein oder zum Bier bestellen kann. Die Weine sind übrigens hervorragend, und das ebenso ausgezeichnete Bier wird in der Markthalle handwerklich gebraut.

Fleischig, reichlich, gut
Eine Saisonkarte offeriert etwas fleischlastige Hauptgerichte, wie Linsen mit Wiener Würstchen vom Rind und Spätzle, gefüllter Brust vom Biohühnchen im Speckmantel mit Kürbiskernrisotto oder gebratene Blutwurst mit Apfelchutney und Kürbis-Kartoffelpüree. Fisch gibt es nur am Donnerstag, dafür aber fangfrisch. Mein nächster Besuch wird also an einem Donnerstag sein.

Ich hatte geschmortes Kaninchen, ein Gericht, das ich zuhause nie zubereiten würde, da meine kleine Tochter Kaninchen sehr mag – aber natürlich nicht auf dem Teller! Es war eine gute Wahl, denn das Fleisch war weich und saftig und die Beilage perfekt. Das Wurzelgemüse war knackig und aromatisch und die Spätzle tatsächlich handgemacht. Seltsam nur: Die Portion war übertrieben groß (s. Foto)! Lieber als ein halbes Kaninchen, hätte ich etwas mehr Gemüse und Spätzle auf dem Teller gehabt. Aber es war sicherlich gut gemeint und die üppigen Portionen wollen bestimmt auch signalisieren, dass sich das Lokal in den noch sehr proletarischen Kiez um die Markthalle einzufügen weiß.

Wir waren an dem Abend zu sechst dort, so konnte ich auch andere Gerichte probieren. Sie alle waren stimmig, mit Ausnahme der gebratenen Blutwurstscheiben, die außen etwas verkohlt geraten waren, und der Linsen, die nur noch nach den salzigen Wiener Würstchen geschmeckt haben.

Aufmerksames Service, moderate Preise
Die Zunftwirtschaft ist eine empfehlenswerte Adresse, vor allem jetzt, wo das Lokal noch nicht so voll ist. Die Betreiber gehören derselben Gruppe an, die auch die Markthalle gekauft hat. Man merkt, dass sie eine längere Anlaufzeit in Kauf genommen haben. Mit viel Engagement, guter Küche und erschwinglichen Preisen wird versucht, Publikum zu locken. Die Gerichte kosten zwischen 5,00 und 19,00 Euro, also nicht mehr als in einer Durchschnittspizzeria. Gerade für die vielen Weihnachtsfeiern, die in den nächsten Wochen bevorstehen, ist die Zunftwirtschaft der ideale Ort. Zumal es neben dem Restaurant auch einen hübschen, altmodischen Veranstaltungsraum gibt.
Elisabetta Gaddoni, kulturradio

© Rundfunk Berlin-Brandenburg

http://www.kulturradio.de/rezensionen/geschmackssache/2011/restaurant_zunftwirtschaft.html

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