Da Baffi (c) Da Baffi

Fr 13.01.2012

Geschmackssache

"Da Baffi"

Bewertung: annehmbar

Der Leopoldplatz in Wedding sorgte Jahre lang immer wieder für negative Schlagzeilen als 'sozialer Brennpunkt'. Neue Lokale zeigen allerdings, dass sich im Kiez langsam etwas ändert und dass dort ein neues Publikum anzutreffen ist. Insbesondere fällt ein italienisches Restaurant mit dem lustigen Namen Da Baffi auf: Das heißt so viel wie "Beim Schnurrbart". So würde man hinter dem Tresen eine Gestalt à la Peppone vermuten, einen riesigen Mann mit Stalin-Schnurrbart wie in den berühmten Don Camillo und Peppone-Filmen. Der den schwarzen Schnurrbart trägt, ist aber ein junger und zierlicher Mann.

Das Lokal wird von drei Freunden geführt: einer jungen Deutsche, Wibke Isenberg,
die Designerin ist und sich um die Inneneinrichtung gekümmert hat, und zwei Italienern aus Bologna, Francesco Righi und Federico Testa, mit langjähriger Erfahrung in der Gastronomie. Einer steht in der Küche, die anderen zwei bedienen, und von dieser intimen Atmosphäre lebt das Lokal. Was früher ein türkischer Friseurladen war, ist nun eine Art Wohnzimmerrestaurant, liebevoll eingerichtet in allen Details: Der 'Stammtisch' vor dem Tresen ist zum Beispiel eine wunderschöne, alte Werkbank aus Holz.

Teure Gerichte ohne Perfektionsanspruch
Die Karte kündigt feine Restaurantküche an, mit anspruchsvoll komponierten Gerichten und auch nicht ganz niedrigen Preisen. Ich hatte eine Schwarzwurzel-Cremesuppe mit geröstetem Sesam und knusprigem Schinken (7,50 Euro). Sie war sehr gut, mit Ausnahme der Schinkenstifte, die unangenehm salzig waren. Meine Begleiterin hatte einen Carpaccio von im Ofen gebackenen Auberginen mit kleinen Tomaten, Büffelmozzarella-Tupfern und Basilikum (10 Euro). Eigentlich kein schwieriges Gericht, aber die Auberginen waren, obwohl sehr dünn geschnitten, nur halb gar, an den Rändern sogar noch fast roh und hart. Auberginen schmeckt aber roh nach sehr wenig; Die Scheiben waren auch noch kaum mit Öl oder Salz abgeschmeckt.

Leider waren die Pastagerichte auch keine Volltreffer. Meine Begleiterin hatte Tagliolini mit schwarzem Winter-Trüffel (12,80 Euro). Die schmalen, handgemachten Bandnudeln waren etwas zu lang gegart und in einer zu fettigen, milchigen Sauce angerichtet, um den Geschmack des schwarzen Trüffels wirklich hervorzuheben. Ich hatte 'Strozzapreti', 'Priesterwürger': das sind längliche und etwas gedrehte Nudeln, mit rotem Radicchio, Fenchel-Salsiccia und gehobeltem salzigem Ricotta (12,50 Euro). Der Radicchio war aber leider kaum vertreten, bis auf ein Paar sehr dünne Fäden. So hat man nur die Salsiccia und den Käse wahrgenommen, und das Gericht war dann insgesamt zu geladen, zu salzig, wie die Taglioline auch etwas zu sättigend.

Wir wollten aber auch ein Dessert probieren und haben eine Creme Brulée mit weißer Schokolade und Haselnüssen geteilt (4,00 Euro). Diese war wiederum sehr gut, wie auch der Wein, ein weicher, runder Montepulciano d’Abruzzo (Chronicum 2008, Zaccagnini, 33,00 Euro).

Stimmung nett, Küche steigerungsfähig
Es gibt also in der Küche noch viele Unstimmigkeiten, um sich als Restaurant mit Anspruch bezeichnen zu können, auf der Höhe von dem, was die Karte verspricht und von den Preisen, die verlangt werden. Dennoch ist Da Baffi ein sehr sympathisches kleines Lokal, in dem sich ein angenehmer Abend verbringen lässt.
Elisabetta Gaddoni, kulturradio

© Rundfunk Berlin-Brandenburg

http://www.kulturradio.de/rezensionen/geschmackssache/2012/_da_baffi_.html

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