Außenansicht: Lina Rothenberger; Foto: www.rothenbergerfeinkost.de

Fr 20.01.2012

Geschmackssache

Café und Feinkost "Lina Rothenberger"

Bewertung: gelungen

Es soll ja eine gewisse Schwabenfeindlichkeit in Berlin geben, als ganz spezielle Ausformung von Fremdenfeindlichkeit. Wahrscheinlich könnte man aber jeden Schwabenfeind bekehren, wenn man ihn mit der guten schwäbischen Küche bekanntmachen würde: Bei richtigen Maultaschen und echten Spätzle käme sicher manche Antischwaben-Attitüde ins Wanken …

Das Lokal Lina Rothenberger, das etwas versteckt in der Habsburgerstraße liegt, in der Nähe des Winterfeldplatzes in Schöneberg, wäre sicherlich dazu geeignet. Wer so heißt ist nicht die Wirtin, sondern ihre Großmutter. Sie war eine schwäbische Bäuerin, die alles selbst gemacht hat: Gemüseanbau, kochen, backen, einmachen usw. Sie stand bei der Namensgebung des Lokals Patin, weil die Wirtin auch so weit möglich alles selbst machen möchte: Vielleicht nicht unbedingt das Gemüse anbauen, aber sicherlich einkaufen, kochen und bedienen.


Kleines Café mit Tante-Emma-Laden-Flair
Das Lina Rothenberger sieht von außen wie ein Café aus, ist aber eigentlich ein Feinkostgeschäft: Es gibt Wurst, Käse, Brot, Kuchen, Wein, Bier, Marmeladen, Konserven sowie frische Eier in der Vitrine und einige Kisten mit Obst und Gemüse an der Wand, eben wie in einem Tante-Emma-Laden. Und genau mit diesem nostalgischen Image spielt die ganze Inneneinrichtung, von der altmodisch geblümten Tapete bis zu den alten Waagen und Töpfen auf den Regalen. Alles ist bis ins letzte Detail hübsch gemacht, mit gewollt altmodischer Patina. Der hübsche kleine Eckladen liegt an einer ruhigen Straße. Im Sommer gibt es auch einen Garten; zurzeit muss man innen Platz nehmen, an einem der vier, fünf Tische.

Täglich gibt es fünf oder sechs warme Gerichte, wie zum Beispiel Gemüsesuppen oder Eintöpfe, Kartoffel-Kressecremesuppe mit Streifen von geräuchertem Lachs, oder gebratenen Fleischkäse mit Kartoffel-Steckrübenpüree. Am Samstagmittag wird auch ein Braten zubereitet, zumindest in der Winterzeit. Ansonsten werden selbstgemachte kalte Gerichte wie Matjessalat und Lachs-Spinatrolle gereicht. Auf dem Vesper- oder Brotzeitteller kommt die ganze Vielfalt der Vitrine zur Geltung: Wurst, Käse, Tapenade, Chutneys, usw... Das sind hochqualitative Bioprodukte, die die Wirtin hauptsächlich aus Schwaben bezieht, direkt von den Herstellern, aber auch aus Berlin und Brandenburg.

Solide Küche mit Herz und Qualität
Ich hatte eine Gemüsesuppe mit Maultaschen (5,90 Euro), die entgegen meiner Erwartung angenehm leicht war: Eine klare Suppe mit allen Sorten Wintergemüse, schmackhaft und noch bissfest. Die Stückchen von der Maultasche darin waren auch sehr angenehm, ihre Füllung nicht so stark gepfeffert und zwiebellastig, wie es sonst oft der Fall ist. Zum Dessert hatte ich ein Stück flachen Käsekuchen (2,50 Euro), einen köstlichen, gefüllten Makronenkeks von der "Makrönchen-Manufaktur" (1,40 Euro) und einen Espresso. Das war ein sehr angenehmer Mittagstisch!

Insgesamt ist das Lina Rothenberger ein perfektes, liebevoll gemachtes kleines Café, bei dem alles stimmt: das Essen, die Atmosphäre und vor allem die Wirtin, die sehr freundlich und präsent ist. Sie soll sogar für die Nachbarn die Post entgegennehmen und die Schlüsselübergabe machen. Es ist also ein Laden, den jeder gerne bei sich in der Nähe hätte!
Elisabetta Gaddoni, kulturradio

© Rundfunk Berlin-Brandenburg

http://www.kulturradio.de/rezensionen/geschmackssache/2012/lina_rothenberger.html

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