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Es gibt in Berlin immer mehr Lokale, die unter deutschen Namen firmieren. Oft sind es altmodische Namen mit Nostalgiepotential. Eines, das es noch nicht sehr lange gibt, ist die Weinbar Otto Rink in der Kreuzberger Dresdener Strasse, neben dem Kino Babylon. Der Wirt heißt zwar Rink, aber nicht Otto, sondern Andreas. Otto Rink war sein Großvater, ein Berliner, Jahrgang 1878, der nach Westdeutschland zog und sich in Kaiserslautern niederließ. Der Wirt hat früher als Winzer und Koch gearbeitet. Als er nach Berlin kam und die Weinbar plante, hat er sich an den einzigen Berliner in der Familie erinnert und ihn zum Namensgeber des Lokals gemacht. Folgerichtig hängt ein Schwarz-Weiß-Bild seines Vorfahren über dem Tresen.
Schlicht, aber authentisch
Anders als in vielen anderen Weinlokalen oder -geschäften, herrscht im Otto Rink keine gediegene, steife Stimmung. So ein Lokal könnte man auch in einer Gegend finden, in der Wein Tradition hat und zum Alltag gehört. In den Räumen war früher ein kurdisches Kulturzentrum, das in den letzten Jahren geschlossen war. Der neue Betreiber hat das Innere nicht sehr verändert. Es sieht jedenfalls nicht allzu frisch renoviert aus, in schlichtem Weiß, mit gebrauchten dunklen Tischen und dunklem Tresen. Einzig die seitlichen Wände sind komplett mit schwarzen Schiefertafeln gedeckt. Darauf werden alle Weine und Preise mit weißer Kreide aufgeschrieben, sodass man keine Karte braucht.
Schieferböden sind typisch für das Weinanbaugebiet, das Schwerpunkt des Lokals ist: die Mosel. Diese Böden machen vor allem Rieslingweine mineralisch, filigran und ausgewogen. Es gibt im Otto Rink hauptsächlich Weine aus dem Südwesten Deutschlands, dazu aber auch eine kleine Auswahl aus Frankreich, Italien und Spanien.
Weine in allen Preisklassen
Wir haben mit Riesling angefangen, mit einem Kinheimer Rosenberg Kabinett, fruchtig, leicht und elegant (0,1l für 3,20 Euro). Dann hatten wir Rotwein, einen Saint Laurent von Zelt aus der Pfalz, mit feinen Tanninen, rund und betörend fruchtig nach Pflaumen und Beeren (0,2l für 6,20 Euro). Meine Kollegin hatte ein Glas Trilogie, ebenfalls von Zelt, eine hervorragend schmeckende Cuvée aus Cabernet Sauvignon, Merlot und Cabernet Franc (0,2l für 9,00 Euro). Zum Schluss hatten wir ein kleines Glas Maydie, ein Likörwein aus Frankreich (0,1l für 3,80 Euro). Es gibt Weine in allen Preisklassen, von normal bis ganz teuer, wobei die Qualität auch bei den Günstigeren gewährleistet ist.
Schmackhafte Grundlage
Zum Weintrinken gehört immer auch etwas zu essen, wenn man nicht gleich beschwipst sein will. Kalte Platten, kleine oder große, werden ständig angeboten. Dazu bekommt man warmes Brot gereicht. Wir hatten zu Zweit einen großen gemischten Teller zu 11,00 Euro, mit zwei weichen, gut gereiften Kuhmilch-Käsen, Leberwurst, Chorizo, Mortadella, verschiedenen eingelegten Gemüsen und Pilzen sowie grünen Oliven, alles in bester Qualität. Gelegentlich gibt es auch warme Speisene, wie Lammbraten, Miesmuscheln oder Blätterteigpasteten. Das wird aber nicht angekündigt, sondern nur ab und zu als Überraschung angeboten.
Insgesamt ist die Weinbar Otto Rink ein sehr angenehmer Ort zum Verweilen, mit gutem Wein und schmackhaften Kleinigkeiten. Obendrein können die zwei sehr netten Wirte wohltuend entspannt und ohne Kennergetue beraten. Es herrscht hier in keinem Fall die zwanghafte Szenestimmung, die leider die meisten Newcomer-Lokale von Mitte, Kreuzberg oder "Kreuzkölln" kennzeichnet.
Elisabetta Gaddoni, kulturradio