Restaurant Kafana, Innenansicht; © Pedro Malacas
© Pedro Malacas | Bild: Restaurant Kafana

Restaurant - Kafana

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Es ist noch gar nicht so lange her, da gehörten sie fest ins Straßenbild – doch nach der Ausbreitung vieler exotischer Küchen ist es still geworden um die Adriaküche.

Nach den Balkankriegen trennte sich das, was früher unter der Bezeichnung jugoslawische Küche zusammengefasst war, wieder in die verschiedenen Ursprungsregionen, hauptsächlich in die serbische und kroatische.

Man könnte vielleicht darüber hinweg gehen und sich modischeren Trends zuwenden, wenn diese Tradition nicht ähnliche Verdienste bei uns erworben hätte wie es aus Jugoslawien stammende Akteure und Trainer für die Spielkultur der Fußballbundesliga hatten.

Besonders der preiswerte Tisch, der einst bei Studenten und anderen Nachtschwärmern beliebt war, verdankt dieser halb orientalischen, halb mediterranen Küche mehr, als im Alltagsbewusstsein verankert ist.

Auf angenehme Weise kurios

Nun gibt es einen Ort, wo man den Dank abstatten kann, ohne dabei jenen fast schon musealen, ja resignativen Stillstand erleben zu müssen, der viele adriatische Restaurants heute erfasst zu haben scheint. Im Kafana haben sich ein Koch und ein Weinkenner zusammengetan, um die Aufmerksamkeit auf einen Teil Europas zu lenken, von dem lange nicht viel - und wenn, dann nicht viel Positives zu hören war.

Vlado Kosic und der Sommelier Lukas Ertl haben sich dafür einen Ort in einer Wohngegend in der Nähe des Bundesplatzes ausgesucht, der die Erwartungen erst einmal nicht gerade befeuert. Hinter dem Fenster zur Straße tut sich dann eine Szenerie auf, die man als ein ins Seltsame verschobenes Alt Heidelberg bezeichnen könnte.

Als wäre das im heutigen Berlin nicht schon kurios genug, wird es dann - übrigens auf sehr angenehme Weise - noch ein wenig kurioser. Denn kaum in die Stube eingetreten, verlässt man auch schon die Stadt. Und spätestens nach ein paar Schoppen verliert man Berlin ganz, zumindest für einen Abend.

Die Stärke des Lokals

Der Wein, um das vorweg zu schicken, macht die Stärke des Lokals aus, und wer sich nicht - wie die meisten Gäste es tun - dem findigen Lukas Ertl und seinen Empfehlungen anvertrauen mag, der hat zumindest Freude an einem Alexandrowitsch Sekt oder einem Chardonnay Trijumpf Extra Suvo Vino von 2009, der eine durchaus ins Alkoholische spielende Fülle mit einer Finesse verbindet, die aus einem Obstgarten zu stammen scheint, dessen überreife Früchte bereits zu Boden gefallen sind.

Wenn nun auch noch Essen beeindrucken würde: Der Laden wäre genial. Doch es stellt lediglich einen Kompromiss dar zwischen wohl beschränkten Möglichkeiten der Küchentechnik und einer ambitionierten Interpretation serbischer Volksküche. Der Skihütten-Stimmung im Raum tut das allerdings keinen Abbruch.

Restaurant Kafana, Ajvar; © Ramtin Zanjani
Ajvar; © Ramtin Zanjani | Bild: Restaurant Kafana

Manchmal überraschend deftig

Ein Großteil des Speisenangebots wird als Tapas bezeichnet, obwohl die Portionen zumeist die Happengröße überschreiten. Es wirkt ein bisschen widersprüchlich - manchmal ist es überraschend deftig wie der Paprikaaufstrich Ajvar, die Pflaume im Speckmantel oder Sarma, die kleine Kohlroulade. Dann wieder wirkt es, als hätte der Koch Würze und Salz ganz vergessen. Der serbische Schmand, die gegrillte Paprika und der etwas wässrige Kartoffelschnee sind dafür Beispiele.

Wie dann jedoch der gegrillte Oktopus mit frischem, tüchtig in Butterfett gebadetem Spinat und die etwas strohig geratenen Rippchen zeigen, schenkt die Küche exakten Garzeiten keine große Beachtung. Allerdings gilt das nicht für die kleinen Schnitzel und die ganz hervorragend zubereitete Kalbsleber.

Alles in allem wünscht man sich wieder kalte Tage und eine Pfeffermühle. Und noch einen süffigen Roten.

Thomas Platt, kulturradio  

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