Adana Kebap im Tadim Ocakbaşı, Berlin-Kreuzberg; © Tadim Ocakbaşı
Bild: Tadim Ocakbaşı

Türkisches Essen in Kreuzberg - Tadim Ocakbaşı

Bewertung:

In seinem kleinen Kreuzberger Restaurant serviert der aus dem geschichtsträchtigen Urfa stammende Betreiber Mustafa Karakan authentische Grillgerichte.

Wer der Volksküche ankreidet, dass sie nicht den Weg beständiger Verfeinerung geht und kaum mehr Wagnisse auf sich nimmt, hat sie wohl nicht richtig verstanden. Denn bei ihr – egal in welchem Teil der Welt sie beheimatet ist –, kommt es zunächst darauf an, das tägliche Essen zu besorgen. Genuss und Sättigung sind da schwer voneinander zu trennen, und die letztere steht im Zweifel hoch über allem, was Behagen verursacht.

Man könnte die Volksküche mit einer Schraube vergleichen, die über hunderte, ja tausende von Jahren hinweg ins Holz der Geschichte gedreht wird, wohingegen das bürgerliche (Zeitgeist-)Kochen den Nagel immerzu auf dem Kopf zu treffen sucht.

Authentische Grillgerichte

In einem kleinen Kreuzberger Restaurant erlaubt es die Vorstellungskraft, dass – dem einen fühlbarer als dem anderen – ganze Kapitel der Menschheitsgeschichte gleichsam mit an der Tafel sitzen können. Wenn man bloß daran denkt, dass der Betreiber Mustafa Karakan aus dem mit Geschichte gesättigten Şanlıurfa beziehungsweise Urfa, dem früheren Edessa stammt und Grillgerichte von dort so authentisch wie möglich zubereitet, dann vermag sich der Bogen der Fantasie schon von der Antike bis in die Gegenwart aufzuspannen.

Nicht von gestern

Recht gegenwärtig wirkt die Einrichtung. Sie hat die Karawanserei längst hinter sich gelassen und befindet sich auf halbem Wege zum chicen Italiener. Seidenmatt schimmernde Wandfarben in Ocker und Ochsenblut, gehobenes Bistromobiliar, ein bisschen angekitschte Bilder in bedeutungssteigernden Rahmen und natürlich der unvermeidliche Flachbildschirm mit Neuigkeiten aus aller Welt signalisieren, dass der Laden nicht von gestern ist.

Auch der wie ein Altar gestaltete Grill, einen eigenen Raum beanspruchend, ward von poliertem Marmor gesäumt und verfügt obendrein über einen perfekten Dunstabzug. Ein imposantes Flaschenlager, das man auf dem Gang zur Toilette in Augenschein nehmen kann, sowie dort gestapelte Kindersitze vertreten die pragmatische Seite eines gastlichen Hauses mitten in einer durchaus angenehmen Durchgangsgegend. Das berühmte Fachgeschäft "Knopf Paul" schräg gegenüber und das nicht minder bekannte "Radio-Art" wenig weiter sorgen sogar für eine gewisse Kiezigkeit.

Handwerk verstanden

Die in den Gerichten sedimentierte Historie ruft man sich am besten zusammen mit dem an zitternde Glut, erloschenes Lagerfeuer, verkrustetes Fett und gedörrtes Fleisch erinnernden Grillduft herauf, der vom eben servierten Teller sofort in die Nase steigt und sie gleich ganz gewinnt: Indizien, dass der Mann über den glühenden Kohlen sein Handwerk versteht.

Darum wunderbar zart, saftig und von aromatischer Tiefe sind die Spieße vom gehackten Lamm, die man zusammen mit gewürfelter Brotkrume und Tomatensauce, Weizengrütze, fast geräucherter Aubergine, etwas sprödem Humus, erstaunlich altmodischem Yoghurt und einem Klacks Butter sowie einem pfannkuchenartigen Fladenbrot bestellen kann. Die Lammwürfel geraten etwas fester, verraten zudem den konventionellen Einkauf, der im gebratenen Stück eher auffällt als beim durchwürzten und mit Fett untermischten Hackfleisch.

Insgesamt vorsichtig

Prinzipiell agiert der Koch vorsichtig. Knoblauch, scharfe Schoten und Kreuzkümmel werden sparsam eingesetzt und Schmauchspuren gibt es nur dort, wo sie hingehören: beim Spitzpaprika zum Beispiel. Rohe rote Zwiebelringe und ofenfrisches Weissbrot runden eine Mahlzeit ab, die ihre Imbisshaftigkeit (besitzt Volksküche nicht immer den Aspekt der Arbeitsunterbrechung?) noch nicht ganz abgelegt hat.

Einen Anflug von großer Küche besitzt dagegen die grandiose Linsensuppe. Sie gehört gewiss zu den besten des Genres in der ganzen Stadt. Weil sie nicht nur darauf aus ist, den Leib zu füllen.

Thomas Platt, kulturradio  

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