Restaurant Mine, Innenansciht; © Elisabetta Gaddoni
Bild: Elisabetta Gaddoni

Restaurant - "Mine"

Bewertung:

Restaurant und Winebar in Charlottenburg mit edler italienischer Küche – aber nicht immer geschmackssicher

"Der russische Jamie Oliver kommt nach Berlin!" Diese Meldung ging vor einem dreiviertel Jahr durch die Presse. Es hieß, Aram Mnatsakanov, Fernsehkoch und Inhaber mehrerer Restaurants in Sankt Petersburg und Moskau, würde bald ein Lokal in Berlin eröffnen. Das ist an sich nichts Überraschendes: Die Stadt zieht ja mittlerweile Gastronomen aus der ganzen Welt an. Das Besondere ist eher, dass der Schwerpunkt im "Mine" auf gehobener italienischer Küche liegt.

Der Gründer, Aram Mnatsakanov soll insbesondere auf die Qualität der Zutaten, der Originalprodukte setzen, die er aber auch mit regionalen Produkten kombiniert. Klassiker der italienischen Küche interpretieren er und sein Sohn, der das Berliner Lokal leitet, manchmal mehr, manchmal weniger kreativ.

Mal klassisch, mal kreativ

Aus dem toskanischen Brotsalat Panzanella – ursprünglich ein Resteessen aus eingeweichtem alten Brot, Tomaten, Kräutern, Olivenöl u.a. – wird ein mit Königskrabbenfleisch verfeinertes Gericht.

Die Kombination Aubergine-Kräuter-Tomate-Mozzarella ruft in der Regel die Assoziation mit dem traditionellen Auberginenauflauf ‚Melanzane alla Parmigiana‘ hervor. Hier kamen die Zutaten dekonstruiert auf den Teller: Zwei halbe Scheiben Aubergine –im Dampf gegart und erst am Ende unter den Grill geschoben, wie man an den fast verbrannten Kräutern erkennen konnte –, dazu ein Klecks Tomatenmarmelade und eine Scheibe hervorragender Burrata (so heißt der süditalienische Frischkäse, der aus einer Hülle aus Mozzarella besteht und mit Mozzarellafäden in Sahne gefüllt ist). Kombiniert schmeckten die Zutaten gut, selbst wenn die Aubergine, so gegart, sehr fade wirkte und ihren Geschmack kaum entfalten konnte.

Auch Zucchini entwickeln ihren Geschmack erst, wenn man sie gart. Im Zucchini-Carpaccio, einer weiteren Vorspeise auf der Karte, aber waren die hauchdünnen Scheiben in einer zitronig-fruchtigen Marinade eingelegt, so dass sie sehr frisch und aromatisch schmeckten. Erst recht in der Kombination mit Ziegenfrischkäse und sehr sparsam eingesetztem geschmortem Rhabarber.

Restaurant Mine: Tortelli mit Burrata und Wintertrüffel; © Elisabetta Gaddoni
© Elisabetta Gaddoni | Bild: Elisabetta Gaddoni

Salziges und Saures

Die Pasta-Gerichte hinterließen bei uns auch völlig unterschiedliche Eindrücke. Die typischen gefüllten Nudeln "Tortelli" aus schmackhaftem, hauchdünnem Eierteig waren mit schmelzendem Burrata-Käse gefüllt (wieder Burrata!) und mit fein gehobeltem Wintertrüffel bestreut. Hier könnte man einwenden, dass Trüffel sowieso schmeckt, selbst wenn kein Spitzenkoch zugange ist. Aber die elegante Kombination war vom Geschmack her tatsächlich ein Highlight.

Die Caserecce – handgemachte, leicht gedrehte Nudeln – waren mit einer Königskrabben-Tomatensauce (wieder Königskrabben!) angerichtet. Abgesehen davon, dass das Gericht ziemlich versalzen war, wies es keine Besonderheiten oder kreativen Akzente auf.

Das Dessert, ein Amalfi-Zitronensorbet, schmeckte zwar aromatisch, aber sehr sauer und bitter. Obendrein hatte es eine seltsam sandige Konsistenz. So etwas könnte man in kleinen Mengen als aromatischen Tupfer einsetzen, zumal Sorbet auf der Speisekarte des „Mine“ als Bestandteil  vieler Gerichte auftaucht. Aber als Dessert portioniert war es für den Gaumen eine spröde Zumutung.

Heute Berlin, morgen London

Der Eindruck, den diese Art Küche hinterlässt: Der Sorge um hochwertige und hochpreisige Zutaten entspricht keine konsequente, geschmackliche Sicherheit bei der Zubereitung. Beim Ruhm, der diesem Gastronomen vorauseilt sowie bei den gehobenen Preisen, die verlangt werden – 14 bis 16 Euro für die Vorspeisen, 18 bis 26 Euro für die anderen Gerichte –, könnte man eine durchgehende Stringenz erwarten.

Das Lokal an sich wirkt mit der wunderschönen Inneneinrichtung einladend. Die Lage, Meinekestraße nähe Lietzenburger Straße, mutet hingegen etwas seelenlos an, inmitten von Hotels und voller Touristen. Entsprechend spricht das Personal fast nur Englisch. An sich ist das nicht schlimm, denn jeder beherrscht mittlerweile die paar Worte, die man braucht, um ein Essen zu bestellen. Nur verrät diese unverbindliche Art, dass für solche Lokale Berlin nicht mehr ist als eine beliebig austauschbare Kulisse. Ein Charakterzug, den viele Neueröffnungen der letzten Zeit gemeinsam haben.

Elisabetta Gaddoni, kulturradio  

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