Zu Hause kochen mit Elisabetta Gaddoni - Holunder- und Lindenblüten für die Küche

Holunder und Linden tragen mittlerweile Blüten und entfalten leider nur für wenige Wochen ihren betörenden Duft. Beide sind als Zutat für Tees, Sirup, Sommergetränke und Gelees bekannt. Es lässt sich aber noch mehr mit ihnen machen.

Dass es fast Sommer ist, lässt sich in Berlin nicht nur an der Temperatur erkennen, sondern auch am süßen Duft, der in der Luft schwebt. Holunder und Linden tragen mittlerweile Blüten und entfalten ihren betörenden Duft. Die Versuchung liegt nahe, das schöne, flüchtige Aroma in Gerichten festzuhalten. Selbstverständlich sollte man die Blüten in Parks oder Gartenkolonien suchen, fern vom Straßenverkehr. Wichtig ist, sie zu ernten, wenn sie noch nicht so lange aufgeblüht sind, idealerweise an einem trockenen Vormittag.

Und noch wichtiger ist, einen offenen Korb zu benutzen und die Blüten nicht luftdicht in eine Tüte zu verschließen, sonst verändert sich der  honigsüße, paradiesische Duft in einen etwas strengen Geruch, der ein bisschen an Reviermarkierungen männlicher Katzen erinnert. Solch ein böser Streich gehört wahrscheinlich zur unheimlichen Seite des Holunderbaums, von dem man immer glaubte, er sei das Tor zur Unterwelt, des Reiches der Frau Holle, der Elfen und Feen.

Als Heilpflanzen bekannt

Die Linde wurde ebenfalls als heiliger Baum verehrt. Heute wird sie allerdings vom Volk der Autofahrer gehasst, weil der Honigtau die parkenden Autos klebrig macht! Dass sich so viele Legenden um Holunder und Linde ranken, hat wahrscheinlich damit zu tun, dass beide seit Urzeiten als wichtige Heilpflanzen bekannt sind und im Alltag sehr wichtig waren. Goethe sagte, das Äußere einer Pflanze sei nur die Hälfte der Wirklichkeit. Das trifft bei Holunder besonders zu, denn wir sehen von der Pflanze nur die schönen Blüten und die Beeren, aber er war für die Menschen von früher Lebensmittel, Heilmittel, Farbmittel und Holzlieferant in einem.

Boten der Sommersonnenwende

Holunder- und Lindenblüten sind als Zutat für Tees, Sirup und Gelees bekannt. Besonders beliebt ist das Sommergetränk "Hugo", aus Sekt, Soda und Holunderblütensirup. Aber auch salzige Gerichte lassen sich mit Holunder- und Lindenblüten verfeinern. Der Saison-Klassiker sind im Teig getauchte und im Öl ausgebackene Holunderblütendolden, mit Puderzucker bestreut oder mit Akazienhonig beträufelt und heiß serviert. Diese waren schon immer die traditionelle Spezialität zur Johannisnacht: Am 24. Juni hat man früher die Sommersonnenwende gefeiert, und das Datum galt auch als idealer Zeitpunkt, um Kräuter zu sammeln.

Mit abgelösten Holunderblüten lässt sich auch ein Risotto veredeln, mit Parmesan, Erdbeeren und Basilikum abgeschmeckt, so wie auch ein Fleischgericht wie Schweinemedaillons mit Sauerkirschen(Amarene)- und Holunderblütensauce, mit frischer Minze dazu. Lindenblütenblätter kann man auch im Salat beimischen oder über das Rührei streuen, für ein blumiges Frühstück. Süßen Zubereitungen sind keine Grenzen gesetzt. Wenn man auf die Blüten Karamell gießt, kann man sie länger aufbewahren. Der dünne, durchsichtige Krokant eignet sich dann hervorragend als Deko für thematisch passende Desserts wie Holunderblütenparfait oder Lindenblüten-Panna Cotta.

Elisabetta Gaddoni, kulturradio