Restaurant Teigwaren © Teigwaren
© Teigwaren | Bild: Teigwaren

Restaurant - "Teigwaren"

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Die Spezialialität des Restaurants sind Ravioli, aber es gibt auch diverse weitere Pasta-Varianten sowie selbstgemachten Kuchen.

"Sophia" heißt die Nudelmaschine, das Knetwerk "Little Audrey" und der Pizzaofen wird "Al Cuppone" genannt, nach seinem Hersteller, dessen Name aber dem eines Großgangsters ähnelt. Dass Anja Gmelin ihren Küchengeräten Namen gegeben hat, zeugt von etwas, das nur äußerst selten in der Gastronomie anzutreffen ist: Poesie. Man könnte auch sagen, in der Namensgebung drückt sich das Bemühen um Anmut aus, um Pfiff und Handfestigkeit. Dies alles kommt in einem kleinen Lokal am Westufer der Oderberger Straße zum Zuge.

Die Ravioli sind wahre Meistertaschen

"Teigwaren" wurde so genannt, weil es dort Teigwaren gibt. Und zwar nicht nur italienische, deshalb nicht Pasta. Wer angesichts der übrigen Namen einen klangvolleren Titel für die betont zurückhaltend eingerichtete Lokalität mit der schönen Boulevard-Terrasse erwartet hätte, wird über einem Teller rasch bemerken, dass hier solide Handwerklichkeit die Grundlage von allem ist.

Das betrifft insbesondere die Ravioli, das Aushängeschild des Hauses. Ungeachtet ihrer Füllungen handelt es sich um wahre Meistertaschen. Der Teig besitzt eine annähernd ideale Dicke, ist fest und weich zugleich, elastisch und hält die Form; den kurzen Kochprozess übersteht er, ohne Wasser ins Innere zu lassen oder sich aufzublähen. So kommt es, dass mit dem ersten Biss die versiegelten Aromen sich in einem Augenblick freisetzen – ein nicht zu unterschätzender Effekt.

Füllungen, die man bisher kaum kannte

Ihn gäbe es nicht ohne einen besonderen Lebenslauf. Das ist eine weitere Ungewöhnlichkeit in Rufweite des Mauerparks, von dem an Sonnentagen ein Fluidum von Freizeitvergnügen herüberströmt. Heute, wo man vornehmlich in Konzepten denkt, würde eine derartige Initiative schwerlich zustande kommen. Die Inhaberin stammt aus dem Odenwald, hat in Frankfurt und Hamburg in Agenturen gearbeitet, Modedesign studiert und schließlich in Konstanz bei einem Piemontesen die Grundlagen der Nudelbereitung gelernt.

Alle Einflüsse und Ortswechsel zusammen setzen sich gleichsam in Füllungen um, die man bislang kaum kannte. Anstelle von Ricotta werden sie auf der Basis von Kartoffelteig angefertigt. Das lässt sie ein wenig kompakter erscheinen, als man das aus Italien kennt, aber die Kartoffelstärke bildet dafür die aromatischen Substanzen genauer ab.

Exotisch, herzhaft, süß oder mediterran

Gerösteter Grünkern deutet auf die kargen Böden ihrer nordbadischen Heimat, Thymian, Basilikum und vor allem grüner Koriander (den man ruhig vorsichtiger dosieren könnte) verschieben das Bodenständige in Richtung Exotik, ohne es ganz aufzugeben. Auch Biohackfleisch und im Ofen geräucherte Paprika sind von der Anlage her herzhaft. Dies teilt sich auch dem Mundgefühl mit, weil Frau Gmelin noch Bulgur unters Fleisch mischt.

Zuckererbse, Limette und Koriander behandeln das Thema Süße und Schafskäse mit Zitruszeste die mediterrane Welt. Die ist auch mit einer wunderbaren Salbeibutter vertreten, die den Ravioli Schlotzigkeit vermittelt.

Ravioli-Zubereitung ©imago stock&people

Am Ende ein voluminöser Schokoladenkuchen

Zusammen mit Eisbergsalat und Nusskernen ist das ausgesprochene Sommerkost. Das diätfeindliche Gewicht, das im Wort Teigwaren liegt, wird auch bei allen anderen Füllungen glücklich umschifft. In der Woche kann es ein ganzes Dutzend Varianten geben sowie Tagliatelle und Minestrone.

Am Ende darf es dann ruhig ein voluminöser Schokoladenkuchen sein, der die ganze Tiefe dunkler Couvertüre auslotet, oder ein hier überraschend traditioneller Apfelblechkuchen mit Rosinen und karamellisierten Streuseln.

Thomas Platt, kulturradio