Café auf dem Euref-Campus in Schöneberg
Bild: EUREF AG/ Ricarda Spiegel

Kantinen - Euref-Campus: "Werkstatt" und "Café im Wasserturm"

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Zwei Kantinen in einem florierenden Industriepark: Der Euref-Campus zwischen Schöneberger Insel und Sachsendamm, überragt vom gewaltigen Skelett des Gasometers, hat zwei gastronomische Einrichtungen geschaffen, die in erster Linie für die im Innovations- und Energiesektor Beschäftigten gedacht sind, aber öffentlich zugänglich sind.

Es kann einem wie eine Ironie auf die nahezu abgeschlossene Industrialisierung des Mittagstischs vorkommen, dass es ausgerechnet zwei Kantinen in einem florierenden Industriepark sind, die sich einem Trend widersetzen, der kurz vor der absoluten Herrschaft steht. Auf dem über 5 Hektar umfassenden Stadtquartier zwischen Schöneberger Insel und Sachsendamm, zwischen Wohngebiet und Autobahnauffahrt wurden zwei hoch interessante gastronomische Einrichtungen geschaffen, die vornehmlich für die etwa 2.500 vornehmlich im Innovations- und Energiesektor Beschäftigten gedacht sind, aber öffentlich zugänglich. Zutaten von der Stange sind hier Ausnahme, nicht die Regel.

Thomas Kammeier, Euref-Campus neben dem Gasometer in Schöneberg
Thomas Kammeier ©EUREF AG/ Ricarda Spiegel

Überragt vom Gasometer

Überragt vom gewaltigen Skelett des Gasometers, spiegeln die Gebäude der beiden Restaurationen die bauliche Vielfalt des früher von der GASAG bewirtschafteten Areals. Die "Werkstatt" hat in einem erklärt nüchternen Betonkubus Logis bezogen, der nicht untypisch sein dürfte für die Westberliner Baukultur vor Mauerschluß, wohingegen die schlicht "Café" genannte Gaststätte in einem aus Backstein aufgeführten Wirtschaftsgebäude aus den zehner Jahren des vorigen Jahrhunderts firmiert und sich über eine ausladende Terrasse in Richtung Gasbehälter und Baustellen ausbreiten darf.

Die hohe Halle wird von modernen Einbauten bestimmt, die die Eintönigkeit kantinesker Einrichtungen gottlob vermissen lassen, und an der Stirnwand von einem monumentalen Bildwerk von Walter Stöhrer gleichsam nobilitiert.

Vorbildliche Campus-Gastronomie

Während der begnadete abstrakte Expressionist immer noch nicht die Anerkennung gefunden hat, die er verdiente, sind Thomas Kammeier zahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen zuteil geworden. Fast zwei Jahrzehnte hat der Sternekoch die Geschicke des Restaurants "Hugos" im Hotel Intercontinental bestimmt. Seit zwei Jahren hat er sein Konzept und die zugehörige Umsetzung der Campus-Gastronomie kontinuierlich fortentwickelt und überwacht, so dass sie nunmehr geradezu Vorbildcharakter besitzt. Zu erkennen ist das an der "Trilogie aus dem Suppentopf" (4,80 Euro).

Der Inhalt dreier Tassen mit Süsskartoffelsuppe, deren gemütliche Art von geröstetem Knoblauch – dem nichts Ordinäres anhaftet – und hintergründiger Schärfe belebt wird, milder Brunnenkressensuppe mit leichterer Bindung sowie eine überragende Tomatensuppe, die von einer harmonischen Würze aus Kapern, Honig, Sardelle und vor allem Zitronenabrieb Tiefe Impulse empfängt, erweist sich als derart perfekt, nachgerade ausgemendelt, dass eine Verbesserung unmöglich erscheint.

Euref-Campus in Schöneberg
Euref-Campus ©EUREF AG/ Ricarda Spiegel

Überwiegend inspirierende Gäste

Dass dieses Meisterstück in drei Akten kein Zufall ist, sondern vielmehr als richtungsweisend angesehen werden kann, zeigen die "Campus Tarte", Flammkuchen mit Salzwassergarnelen, Ziegenkäse, Aubergine, Blattspinat (6 Euro) und der "Werkstatt Burger" mit Spreewälder Angus-Rind, Limonen-Schmand, roten Zwiebelringen sowie im Café das "Filetgeschnetzelte" mit Kräutersaitlingen, Lauch (8 Euro) und ein "Wiener Schnitzel" mit Kartoffel-Gurkensalat (12,90 Euro) auf unterschiedlichen Stufen.

Bezieht man noch das gelungene Ambiente und die Gesellschaft überwiegend inspirierender Gäste mit ein, so bleibt keine andere Wahl, als 4 "K" zu verleihen – für eine Kantine wohlgemerkt. Eine jedoch, die so manches Gasthaus übertrifft und en détail an das frühere Schaffen von Thomas Kammeier heranreicht.

Thomas Platt, kulturradio  

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