Zu Hause kochen mit Elisabetta Gaddoni - Süß und salzig: Wassermelone auf Abwegen

Wassermelonen sind im Süden Inbegriff des Sommers schlechthin. Auch bei uns weiß man die Durstlöscher zu schätzen.

Wassermelonen sind im Süden Inbegriff des Sommers schlechthin. Sie türmen sich auf Marktständen oder auf der Ladefläche von kleinen Lastwagen am Straßenrand und locken verführerisch mit dem satten Grün ihrer Schale und dem knallroten Fruchtfleisch.

Ambulante Verkäufer bieten sogar vor dem Kauf einer ganzen Wassermelone die sogenannte Keilprobe: Durch einen Schnitt in die Frucht wird eine Portion herausgenommen und verkostet. Ist das nicht möglich, klopfen fachkundige Käufer lange an der Oberfläche der Wassermelone, um einzuschätzen, ob Klang und Vibrationen den richtigen Reifegrad verraten.

Ältere Menschen verfügen über diese Erfahrung, denn Bauern hatten früher immer auch Wassermelonen im eigenen Acker. Für abenteuersuchende Teenager war es dann eine Herausforderung, sie nachts klauen zu gehen, über die Felder. "Teste di cocomero",  Wassermelonenköpfe, war dann die passende Beschimpfung für die Jugendliche, die sie beim Klauen erwischt wurden.  

Genügsam und unkompliziert

"Citrullo", ein italienisches Wort für Blödel oder Dummkopf, stammt aus dem lateinischen Namen für Wassermelone und Gurke, Citrullus. Vielleicht ist diese niedrige Wertschätzung damit zu erklären, dass diese Pflanzen sehr genügsam sind und unkompliziert wachsen. Sogar jetzt, wo Italien eine extreme Dürrezeit durchmacht und Bauern in vielen Regionen verboten wurde, ihre Felder zu bewässern, haben Wassermelonen nicht gelitten, im Gegenteil: sie sind noch süßer als sonst.

Nur die Preise sind seit einigen Jahren im Keller, aufgrund der Konkurrenz von Produzenten aus anderen Ländern, vor allem aus Griechenland. Daher geben immer mehr Bauern den Anbau auf.

Dennoch gehören Wassermelonen in Italien im Sommer noch zum Straßenbild: Es gibt überall Kiosken mit kleinen improvisierten Terrassen mit Tischen davor, und man geht dahin, um eine Scheibe Wassermelone zu essen, so wie man hier bei uns in Biergärten geht. Und es werden in vielen Ortschaften Wassermelonen-Wettessen veranstaltet.

Wasserbombe mit Geschmack

Wassermelonen bestehen zwar fast nur aus Wasser, enthalten aber auch Vitamine, Mineralien und Nährstoffe und sind daher ein gutes Mittel gegen Dehydrierung. Aus dem Grund waren sie in heißen und wasserarmen Gegenden immer auch ein Mittel, um den Durst zu löschen, für Menschen wie für Tiere. In vielen Zoos bekommen die Tiere im Sommer oft Wassermelonen, und die Videos, die oft im Internet zu sehen sind, zeigen, wie verrückt Bären, Affen, Elefanten und Nilpferde für diese Frucht  sind.

Dass sie frisch und süß zugleich ist, und vor allem knackig in der Konsistenz, macht sie für alle unwiderstehlich. Der gepresste Saft an sich dagegen schmeckt im Grunde ziemlich uninteressant. Daher ist die Wassermelone als Zutat für Smoothies und pürierte Drinks fast verschwendet, da die bissfeste, aber saftige Textur verloren geht.

In den Mixer kann man die weiße, geschälte Schale geben, die ähnlich wie Gurke schmeckt und sehr gesund sein soll. Diese wird in Osteuropa fein geschnitten und in Salzlake mit Dill und Senf eingelegt. In China werden die schmalen Streifen zu knusprigen Chips gebraten. Wenn wir das rote Fruchtfleisch der Wassermelone für herzhafte Sommersalate verwenden, können wir die weiße Schale in kleine Würfel oder in Julienne schneiden und im Salat so wie Gurken verwenden.

Mit oder ohne Kerne

Das Fruchtfleisch selbst, in Würfel geschnitten, kann entweder pur genossen werden, mit einige Tropfen eiskaltem Grappa beträufelt, oder wird auf einem sommerlichen Salat angerichtet, mit Feta-Käse und Minze, wie man aus der orientalischen Küche kennt, oder auch mit frischem Ziegenkäse oder kleinen Mozzarella-Kugeln und Basilikum.

Gegrillter Lachs oder marinierte und gegrillte Hühnerfleischstreifen eignen sich als Beigabe ebenso gut. Zur  frischen Süße der Wassermelone passen bittere Blattsalatsorten wie Rucola und Spinat oder Wildkräuter besonders gut, wobei kleine gelbe Tomaten und grüne Paprikas für zusätzliche Farbakzente sorgen.

Die schwarzen Kerne tun auch ihr eigenes dazu, daher sollte man sie dran lassen. Die Drohung meiner Mutter, es würde mir eine Wassermelone im Bauch wachsen, wenn ich die Kerne mitesse, hat sich zum Glück bis heute nicht bewahrheitet.

Elisabetta Gaddoni, kulturradio  

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