Kartoffeln; ©imago/blickwinckel
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Zu Hause kochen mit Elisabetta Gaddoni - Kartoffeln in Sicht

Der 11. August ist für Kartoffelbauer ein wichtiges Datum: An dem Tag geht die Frühkartoffelsaison zu Ende.

Das bedeutet, dass alle Kartoffeln, die ab dann geerntet werden, keine Frühkartoffeln mehr sind, sondern sich höchstens ‚mittelfrühe‘ Kartoffeln nennen dürfen. Ab September werden dann die Knollen geerntet, die lagerfähig sind. Nach der langen Durststrecke der Frühlingsmonate, an denen keine wirklich gute Kartoffeln zu finden waren, dürfen sich Kartoffelliebhaber nun auf die ganze Palette der regionalen oder überregionalen Sorten freuen, die es bald auf dem Markt gibt.

Kartoffeln mit Brot?

Trotz des Klischees, das Deutsche als Kartoffelfresser abstempelt: Erdknollen sind in Italien ebenso beliebt. Man schätzt dort Kartoffeln in allen möglichen Zubereitungen, allerdings isst man sie mit Brot, ungeachtet, dass beide kohlenhydrathaltig sind. So wundern sich italienische Touristen oft, dass hierzulande kein Brot gereicht wird, wenn Kartoffeln als Beilage serviert werden. Vielleicht hängt der italienische Spitzname ‚Kartoffen‘ damit zusammen, dass die Deutschen eben Kartoffeln ‚als Brot‘ essen, während letzteres in Italien immer das zentralste aller Lebensmittel war, unverzichtbar am Tisch. In manchen traditionellen Gerichten wird Kartoffelpüree auch als Beigabe zu Reissuppe (Riso, patate e verze) oder als Füllung für Nudeln verwendet (Tortelli di patate)

Köstliche Füllung für Ravioli

Nicht nur heute, sondern schon vor 200 Jahren freuten sich die Bauern in den Berggegenden Italiens auf die ersten Kartoffeln. In den Frühlingsmonaten war ihre Diät sehr einseitig. Bis zur neuen Ernte kamen vor allem eingeweichte getrocknete Kastanien auf den Tisch, in Form von Suppe, Brei (Polenta) oder als Füllung für Ravioli. Käse und Fleisch gab es eher selten. Im Sommer war die Füllung aus Kartoffelcreme eine angenehme Abwechslung. Im Mugello, einer Berglandschaft nördlich von Florenz, bieten noch heute Gaststätten die traditionellen Tortelli di patate. Die Füllung besteht aus gepressten, mehlig kochenden Kartoffeln, abgeschmeckt mit Parmesan, gehackter Petersilie und mit Knoblauch aromatisiertem Olivenöl. Angerichtet werden die viereckigen gefüllten Nudeln aus Eierteig mit einem Fleischragout (z.B. Bolognese mit Rindfleisch, oder Entenragout). Oder ganz einfach mit Butter, Parmesan und Salbei. Vegetarische Varianten, wie z.B. Bolognese mit gehackten Auberginen statt Fleisch, passen ebenso wie welche mit Fisch, zum Beispiel mit Venusmuscheln und ihrem Kochsud, oder mit Olivenöl-Stockfischcreme. In dem Fall würde man bei der Füllung eher auf Parmesan verzichten…

Elisabetta Gaddoni, kulturradio  

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