Saigon Com Nieu - Essen und Zeichnung © Thomas Platt
Bild: Thomas Platt

Restaurant - "Saigon Com Nieu"

Bewertung:

Mild und rund, selten scharf und süßlich - authentische vietnamesische Küche zwischen Nollendorfplatz und Potsdamer Straße

Reis wird auch nicht mit Wildreis oder Sesamkörnern gesprenkelt, man wirft nicht mit Mango um sich und Rettichschnitzereien oder Blüten im Tee gibt es ebenfalls nicht. Im Grunde verhält sich das Lokal so, als müsste auch zwischen Nollendorfplatz und Potsdamer Straße das tägliche Brot wie in der Heimat am anderen Ende der Welt unter ärmlichen Bedingungen hergestellt werden. Deshalb ist auch der Service auf Ökonomie bedacht und nicht einfach flink, sondern schnell, dabei nicht unfreundlich, aber ohne jeden Anflug von falscher Herzlichkeit.

Die asiatische Klientel, die vor allem am Abend weit mehr als die Hälfte der Gäste ausmacht, sorgt für eine Lärmkulisse wie in einer Straße von Saigon. Das Saigon Com Nieu gehört zu jenen Vietnamesischen Restaurants, die bis vor kurzem als Thai (deshalb gibt es auf der Karte immer noch thailändische Gerichte, oft auf der Basis von Kokosmilch) oder Chinesen unterwegs waren. Dass sie nun zu ihrer Identität stehen, ist relativ neu und zeitigt hoch erfreuliche Ergebnisse – zumal die Preise äußerst günstig sind.

Saigon Com Nieu - Knusprige Pfannkuchen © Thomas Platt

Knuspriger Kuchen

Während die Küche Nordvietnams zu Würze und Schärfe neigt, ist die südliche eher mild und rund angelegt, selten scharf und süßlich. Davon zeugen auch die wunderbaren Pancakes aus Reismehl und Mungobohnen, gefärbt mit Kurkuma, gefüllt mit Sprossen, Tofu oder großen Krabben. Dazu wird eine wahre Wucherung aus Kräutern (Korianderminze, Thaibasilikum, Europakraut) serviert sowie eine tüchtige Portion Lollo Rosso-Salat. Letzterer wird zum Einwickeln des in Fetzen gerissenen Teigs benutzt, den man dann in ein Schälchen mit Sauce taucht.

Diese à la Minute hergestellten Pfannkuchen könnten im Wappen des Restaurants am Zusammenfluss einer Magistrale und einer verkehrsberuhigten Wohnstraße stehen. Der mit ihnen servierte Dip würde in Japan Ponzu heißen. Im Unterschied zur süß-sauren Sauce zu den mürben, mit Knoblauch und Zitronengras gewürzten Rindfleischbällchen in Betelblatt, den sehr empfehlenswerten Bouletten des Hauses, wirkt er frischer durch Zitrus und anhaltender durch einen höheren Anteil Fischsauce. Das Knusprige der Kuchen entsteht übrigens, weil es keine richtige  "Quellmasse" im Teig wie etwa Ei gibt. Mehl und Wasser binden kaum und treffen dann auf eine hoch erhitzte Eisenpfanne.

Authentischen Volksküche

Beim Bananenblütensalat mit Karotte, Huhn, Erdnuss und roten Zwiebeln überzeugt nicht nur die in Streifen geschnittene, im Aroma leicht an Kohlrabi erinnernde Hauptzutat, sondern auch ein extrem fruchtiges Dressing, in dem Limette und Tamarinde tragende Rollen einnehmen – das gleich gilt auch für den noch knackigeren Salat aus grünen Papayas. Die Reisbandnudel-Suppen in großen Schüsseln gefallen durch ihre kräftigen Brühengrundlage und die Vielfalt von Gemüse, Gewürzen und Kräutern; im Fall der Suppe mit Fleischklößchen scheint die Einlage jedoch aus der Fabrik zu stammen.

Eine eine rustikale Spezialität sind die Süßkartoffelpuffer, eine Art Krapfen, die mit gehackten Shrimps aromatisiert sind. Wie so manches aus dieser authentischen Volksküche, die Kontraste liebt, kann auch dieses Werk aus der Fritteuse einem schwer im Magen liegen. Dann mag es einen daran erinnern, dass man innerhalb kurzer Zeit viel erlebt hat. Jedenfalls hält es einen nicht davon ab, recht bald wieder dort einzutreten.

Thomas Platt, kulturradio  

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The Duc Ngo © imago/Emmanuele Contini
imago/Emmanuele Contini

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