Stone Brewing; © Elisabetta Gaddoni
Bild: Elisabetta Gaddoni

Brauerei, Restaurant und Biergarten - "Stone Brewing"

Bewertung:

Mariendorf gilt nicht unbedingt als Hotspot hippen Berliner Stadtlebens. Aber auch dort, zwischen Industrieflachbauten und Lagerhallen, ändert sich langsam etwas. Vor knapp einem Jahr hat am ehemaligen Gasometer "Stone Brewing" eröffnet, eine kalifornische Brauerei mit Restaurant und Biergarten.

Das alte Industriegelände liegt inmitten eines riesigen Areals, zwischen Mariendorf und Lankwitz, am Rand der S-Bahn-Trasse. Die Brauerei hat in einem verlassenen Industriegebäude aus roten Klinkern Platz gefunden, direkt am alten Gasometer. In der Halle sind jetzt die Brauereibehälter aufgestellt. Aber nicht nur: Der Raum ist riesig und wurde sehr gut mit Podesten unterteilt, teilweise in Nischen, Ebenen und Räumen gegliedert, in denen es Sitzgelegenheiten und Bars mit Tresen gibt.

Die imposante Inneneinrichtung mutet wie eine Steinlandschaft an, mit großen Findlingen, die hier und da liegen. Stammscheiben als Tische und tote Bäume als Support für die Beleuchtung runden das Interieur ab. Das hört sich vielleicht wie die Kulisse eines Hollywood-Filmes à la Jurassic Park an. Aber die Halle ist ein bemerkenswertes Beispiel dafür, wie man einen großen Raum gestalten kann, ohne dass er leer wirkt oder seine ursprüngliche Bestimmung unsichtbar gemacht wird.

Unendlich viel Platz. Aber nicht für alle.

Auch der Garten ist sehr groß und ebenfalls in verschiedene Ebenen unterteilt. So kann man unten oder oben sitzen, in Nischen, an unterschiedlichen Tischen und auf verschiedenen Sitzgelegenheiten. Das ist insgesamt sehr verspielt und luftig, mit viel Grün drum herum und im Dunkeln romantisch beleuchtet. Merkwürdig ist jedoch, dass bei so viel Platz nur vor dem Eingang der Brauerei geraucht werden darf: eine offensichtliche Erziehungsmaßnahme, die im Gastgewerbe eigentlich fehl am Platze ist.

Anders als in den überfüllten Biergärten der Innenstadt wird man hier immer Platz finden, bei der Kapazität dieses Lokals, das sich mit mindestens 1.000 Plätzen hervorragend für Großevents eignet. Bei der Dimension und der peripheren Lage kann man sich kaum vorstellen, dass es bei normalem Betrieb ausgelastet sein könnte. Das stellt möglicherweise ein Problem für die Gastronomie dar: Die Speisekarte des Restaurants ist für einen Biergarten sehr anspruchsvoll, mit Gerichten, die für die hohen Preise nicht gut genug sind, bzw. nicht so ausgefallen, wie die Karte verspricht.

Anspruchsvoll, aber nicht durchdacht

Gemäß dem Motto des Lokals, "World Bistro & Gardens", sind die Speisen Tex-Mex, orientalisch oder asiatisch angehaucht. Ich hatte Hühnchen in einer Chili-Schokoladen-Sauce mit Kartoffelstampf, dazu frischen Grünkohl als Garnitur, eine normale Portion für 18 Euro. Das hat zwar passabel geschmeckt, aber der Nutzen der drei, vier verwelkten Stängel Grünkohl hat sich mir nicht erschlossen.

Wir hatten auch einen vegetarischen Burger – komischerweise ist der einzige Burger auf der Karte dieses amerikanischen Restaurants fleischlos! –, gefüllt mit einem Tempeh-Kidneybohnen-Püree. Die Füllung sollte angeblich scharf sein, war aber weder besonders schmackhaft, noch ansehnlich.

Ein weiteres Gericht, wie der Burger für 14 Euro, bestand aus zwei Bratwürsten mit Senf und einer mit zu viel Honig glasierten Backkartoffel. Die zwei Bio-Bratwürste waren geräuchert, was auf der Karte angegeben sein sollte. Außerdem hätte statt der zweiten Wurst ein bisschen Gemüse auf dem Teller nicht geschadet.

Am Dessert, Erdbeer-Mascarpone mit einer Kugel Erdbeer-Rhabarbereis, war eigentlich nur das Gelée aus Berliner Weiße mit Holunder- und Thymiannoten interessant.

Edelbitter statt einfach bitter

Das Angebot an Bieren ist jedenfalls interessanter: Die Stone Brewing Brauerei soll in den USA die Pionierin der Craft-Beer-Bewegung sein, des handwerklich gebrauten Bieres. Sie exportiert in 29 Länder, wobei Berlin die erste Filiale in Europa ist. Es gibt über 60 Sorten, helle und dunkle, ober- oder untergärige, leichtere und stärkere, verschieden aromatisiert und mit unterschiedlichem Bitterkeitsgrad.

Zusätzlich zu den hauseigenen werden auch Biere von kleinen Berliner Craft-Beer-Brauereien angeboten. Insgesamt sind es eher bittere Biere, die aber sehr ausgeglichen und harmonisch schmecken und sich hervorragend als Begleitung zum Essen eignen. Sie sind natürlich auch um einiges teurer als herkömmliche Industriebiere: 0,3 Liter kosten z.B. ab 4,90 Euro. Aber der ausgefallene Genuss rechtfertigt den Preis – viel mehr als bei der Küche.

Dennoch ist das "Stone Brewing" schon aufgrund des besonderen Ambientes und des wunderschönen Biergartens einen ‚Ausflug‘ in den Süden Berlins wert. An diesem besonders gelungenen Beispiel zeigt sich, wieviel es außerhalb der Innenstadt noch zu entdecken und zu erschließen gibt.

Elisabetta Gaddoni, kulturradio  

Weitere Rezensionen

Restaurant Jungbluth; © Jungbluth
Jungbluth

Restaurant - Jungbluth

Felix Leisegang und André Sawahn bekochen ihre Gäste nun schon seit vier Jahren. Dass sie sich keine großen Schnitzer leisten ist bereits viel – andererseits ist’s auch wenig, wenn man bedenkt, dass nicht nur die Kellnerin, sondern auch man selbst sich wünscht, dass man ihre Werke liebt.

Bewertung: